Ich ziehe wieder an meinen Kampfplatz ans Fenster. Das Ritual ähnelt sich dem von gestern. Ich habe Durst, trank vorher aus einem Plastikbehältnis Orangensaft – ein kleiner Schluck ist noch drin –, und fülle jetzt etwa die Hälfte des Inhalts einer angebrochenen Flasche mit Apfel-/Kirschgemisch um, damit daraus letztendlich eine unansehnliche Mixtur wird. Sekunden später zünde ich mir aus Langeweile eine Zigarette an. Einziger Unterschied: Die Duftkerze ist nicht abgebrannt. Was draußen geschah, ist nicht der Rede wert. Einziger Höhepunkt war eine Frau, die aus dem nahegelegenen Friedhof kam und entweder einen Kinderwagen vor sich herschob oder eine Gehhilfe benötigte. Ich hab, um ehrlich zu sein, nicht richtig hingesehen. Die Mülltonnen am Bürgersteig sind jedenfalls verschwunden. Selbst wenn sich meine Beschreibungen bisweilen trist und abgebrochen anhören mögen, ist das trotzdem mein erster, an und für sich bewusster, Blick auf die Außenwelt für heute. Das Haus habe ich seit zwei Tagen nicht verlassen. Wozu auch? Erst morgen muss ich bedauerlicherweise wieder an dem gemeinhin genannten Leben partizipieren, welches nicht Teil meiner persönlichen Blase ist. Ergab der letzte Satz einen tieferen Sinn oder war er nur so dahin gesprochen?
18:29 Uhr. Ich öffne das Fenster. Ich habe Durst. Auf dem Fensterbrett steht eine kürzlich angebrochene Flasche mit Apfel-Kirschsaft. Ich greife nach ihr, drehe den Verschluss auf und schütte einen Teil des Inhalts in ein kleineres Gefäß aus Plastik, in dem mal ursprünglich ein Smoothie [oder so] drin war. Das kleine Teil begleitet mich schon mindestens seit dem 6. Februar 2019, eher früher. Ich mache das am Haltbarkeitsdatum fest, das immer noch auf dem abschraubbaren Deckel klebt, obwohl ich das Behältnis bereits viele Male gewaschen habe. Heute trank ich aus ihr Orangensaft. Ein wenig ist noch drin. Zusammen mit dem Getränk aus Apfel und Kirsch ergibt sich eine sonderbare Farbe. Im Kühlregal eines Supermarkts würde das Ding wohl zum Ladenhüter. Dinge, die nicht schön ausschauen, konsumiert man ungern, gleiches gilt für das Essen.
Die Limousine fuhr am Morgen, um halb nach sieben – Dreißig auf Acht – fort, da stand ich gerade auf. Heute um Dreißig auf Sieben – 18:30 Uhr – am Abend steht das Auto nicht vor meiner Hofeinfahrt, allerdings in Sichtweite oberhalb der Kreuzung, links auf einem Parkplatz. Ich glaube, der Typ wohnt hier irgendwo und irgendwie. Das ›Wo‹ weiß ich seit gestern, das ›Wie‹ noch nicht, und es ist mir auch mittlerweile einerlei. Ich schenke dem Auto wie der Person keine weitere Aufmerksamkeit. Die hellblaue Gießkanne mit dem Smiley hat übrigens echt einen verrosteten Arsch. Sie schaut lustig aus. Warum sie da hängt, habe ich bisweilen nicht in Erfahrung bringen können. Meine verwandten Nachbarn sehe ich nicht alle Tage. Ich nenne sie, die Smiley-Kanne, ab sofort ›Martin S‹. Zwinkersmiley.
Die überdimensionierte Schüssel – aus Blech? – hatte ich mir heute mal vor dem Fenstergucken und nach dem Feierabend flüchtig – parenthetisch gesprochen – angesehen. Eine, nahezu ungeheuer befriedigende Erkenntnis tat sich dabei [in mir und/oder für mich] auf, die mir vom Spähhorst im Obergeschoss, hinter den Scheiben und der Gardine, der Perspektive sei es geschuldet, verborgen blieb. Sie, die Schüssel, lehnt nicht direkt am Apfelbaum, sondern an einem größeren – ungehobelten? – Stein mit vielen Ecken und Kanten. Ich weiß zwar nicht, wie schwer das Ding ist – es sieht schon massiv aus –, doch dem Genossen Baum kommt es gewiss zugute, dass er nicht ihre Last zu stabilisieren hat. Und da war noch ein anderes, ein weiteres Element, dass ich beim beiläufigen Heruntersehen glattweg ausblendete. Am Sichtfeld kann es nicht gelegen haben, das wäre eine reine Schutzbehauptung. Kurzum (daher): In der überdimensionierten Schüssel befand sich noch eine Gießkanne, grau in grau und von gleicher Beschaffenheit, vom selben Ausgangsmaterial, das ich – so als fachlicher Laie [Pleonasmus?] – als eine Art von Walzwerkerzeugnis aus Metall identifizieren würde. Keine Sorge an der Stelle: Ich gehe darauf nicht weiter ein.
Peterle war gestern schlau und kam heute nicht [mehr]. Er weiß jetzt, dass es zur Rechten des Apfelbaums nichts mehr zu finden gibt. Vielleicht deswegen, möglicherweise, lehnt da auch eine stählerne Wanne, die mir eher nach einem Blechkonstrukt ausschaut. Ich hab sie noch nie berührt und hab es auch nicht vor. Der rundlichen, ich nenne sie mal, überdimensionierten Schüssel, schenkte ich bisweilen noch keinerlei Beachtung, gegebenenfalls sollte ich zumindest das mal in nächster Zeit tun. Ihre Bestimmung ist mir ebenso unklar. Wahrscheinlich ist das der neueste Schrei, Deko-Spleen sozusagen. Wir lehnen ein Behältnis an einen x-beliebigen (Obst-)Baum. Dahinter versteckt sich sicherlich irgendeine spirituelle Bedeutung, die sich mir nicht erschließen mag, ohne nachzufragen [wohlgemerkt], bei der Person, die sie dahin postierte. Tatsächlich habe ich sogar zwei Menschen in Verdacht. Sollte es mir mal arg langweilig sein, werde ich mich geflissentlich darüber erkundigen. Immerhin bekäme ich, vermutlich, zwei unterschiedliche Anschauungen – und, davon gehe ich aus –, die ich beide gleichermaßen mit einem Schulterzucken – Achselzucken? – als Meinung diffamieren würde, wenn ich sie erführe. Ich bin ein durch und durch spiritueller Ignorant, könnte man meinen oder [gar] festhalten.
Kaum wird das Wetter wieder gemäßigter – von einer Erträglichkeit zu reden, trifft es zu ungeschickt – streift mal wieder, und nach langer Abstinenz, das werte Peterle an meinem offenen Fenster zur Straße vorbei – um Punkt 18:30 Uhr. Um halb 7 mitteleuropäischer Echtzeit (= Winterzeit). In etwas weniger als ein Dutzend Tagen ist es wieder so weit und ein gewisser Paul im rosaroten Pantherfell (zeitgemäß ein Mensch im Kostüm?) stößt mit Inbrunst die bedeutsamste aller Fragen aus sich heraus und ergießt damit seine Welt (besudelte unsere?), die da, ich will fast sagen, wie immer, lautet: Wer hat an der Uhr gedreht? Und so gut wie alle trällern unisono mit.
[zum Teil 1] [zum Teil 2]
Über drei Tage, drei Millisekunden nach dem Erwachen aus der Traumwelt und drei klare Worte - seither bin ich wieder in meinen Überlegungen der letzten dreißig Jahre verstrickt, linksdrehend gegen den Uhrzeigersinn. "Energie ist endlos" - wie ein Perpetuum mobile -, jenen Satz nahm ich aus der anderen Realität, der Traumwelt, mit. Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich mit meiner einfachen und neuen Annahme beinahe die Schöpfung infrage gestellt hätte. So langsam kommen mir in diesem speziellen Bezug wage Befürchtungen betreffend der Trinität der Mongolenköniginnenerscheinung auf, begründen kann ich sie sprachlich hingegen nicht. Ich habe erst in das Gefühl einzutauchen. Vielleicht irre ich mich auch.
Über dreißig Jahre meines Lebens habe ich verdingt mit Überlegungen, warum mir Menschen wie Leiber vorkommen, als Körper mit nicht viel mehr, warum mir die aufgeblasene Aurafelder auffielen, egal mit welcher Form von Energie umhüllt, die wenigen Lichtgestalten, die schützend umherschwirrten und die kaum wahrnehmbaren Exkursionsseelen, eine jede Entität für sich gespalten und noch mehr: krank. Die ultimative Antwort auf all diese Fragen erhielt ich beim ersten Erblicken der Mongolenkönigin.
Es gibt wenige Menschen, die für mich mehr sind als nur blanke Leiber. Es sind sogar die Wenigsten. Diese Aussage ist subjektiv und ohne Wertung für jedes Individuum. Niemand sollte sich angesprochen fühlen, dennoch war es notwendig es beiläufig zu erwähnen. Für diese Erzählung aus dem Munde ist es sogar essentiell, werde ich doch sogleich tiefer in diese Aussage eintauchen. Es verlangt von mir viel ab, so eine gewisse Überwindung es a) zu erwähnen und b) obendrein darauf näher einzugehen, tat ich das doch noch nie publik, behielt es stets für mich und vertraute es nur wenigen GefährtInnen an. Wer diese Geschichte in der Fülle nachvollziehen will, sollte sich auf ein ähnliches Abverlangen einlassen, egal wie meine weiteren Äußerungen aus der Subjektivität auf die eigene Gefühlswelt wirken mögen.
[zum Teil 1] [zum Teil 2] [zum Teil 3] [zum Teil 4] [zum Teil 5] [zum Teil 6] [zum Teil 7]
Unsere Sprache ist abstrakt - leider. Wir kennen mehr als ein Hier & Jetzt - ja. Wir sprechen, um Geschichten zu erzeugen - ich weiß nicht was ich davon halten soll, ehrlich. Von den wenigen indigenen Völker, die heute in Reservats leben "dürfen", gibt es wohl nicht einmal eine Handvoll, die sich einer Sprache bedient, die zeitlos ist, das heißt: keine Zeitform kennt. Ohne Vergangenheitsform wird es schwer Geschichten zu erzählen. Ohne abstrakte Überlegungen hin zu zukünftigen Ereignissen, wird es problematisch - mitunter auch für Geschichtenerzähler. Dennoch kann Sprache ohne Präteritum und Futur auskommen. Ich werde es so denn einem Versuch unterziehen...
[... und ahne, dass ich scheitern werde; so oder so: es wird das (vielleicht aprupte) Ende der Erzählung sein!]
Bewusste Klar-/Tagträume beginnen bei mir meist in strukturierten Schemen, gleiches gilt im Prinzip auch für gelenkte Traumreisen. Ausgangspunkt ist ein blauer Himmel mit weißen Wolkenblasen, deren Symmetrie rund erscheint. Oft kann ich in der dreidimensionalen Wolkenwelt nur schemenhaft zweidimensionale Abbildungen erkennen, gelegentlich sind diese auch mal klar, vor allem wenn ich sie schon besucht hatte. Hinter jeder von ihnen verbirgt sich eine andere Traumwelt. Da ich körperlich ungebunden zu sein scheine, kann ich mir quasi aussuchen, wo ich eintauchen werde. Wenn ich ambitioniert und mit Tatendrang in die anderen Realität des Seins eindringe, suche ich gezielt nach schon bekannten Bildern in den Wolkenblasen oder neuen, die vom Gefühl her in eine gleiche vergangene Zeit führen, die ich besuchen zu gewillt bin. In dieser Übersichtswelt kann ich natürlich auch in gegenwärtige Handlungsstränge eintauchen oder in solche, die in eine Zukunft führen. Raum und Zeit spielen ergo untergeordnete Rollen in meiner persönlichen "Schaltzentrale der Träume", dennoch habe ich keine Freifahrtkarte. Ich kann die Bilder in den Wolken nicht erschaffen, sondern nur von/auf denen ab-/zugreifen, die bereits vorhanden sind. Auch hier gibt es Ausnahmen, aber ich manipuliere mich selbst ungern.
[Eine "Fußnote" lasse ich aus.]
Ich hatte einen Trump, ähm Traum. Einen Traum natürlich. Ich habe immer Träume, weil ich Träumen mag. Träume werden unterbewertet. Ohne Träume würde ich nicht Bloggen/Schreiben oder, wenn überhaupt, nur trivialen Unsinn. Ohne Träume wäre ich auch nur ein halber Mensch. Ich betrachte die Traumwelt als die andere Welt der Realität, aber nur deswegen, weil wir in einer dualistischen Welt leben. Wäre die Welt polaristisch, gäbe es meine Anschauung nicht, sie wäre unsinnig. So jedoch kann ich aus dem Dualismus heraus eine Polarität finden.
[Diese Aussage bitte überdenken! Sie ändert alles!]
[Vorabliteratur: no state² (sollte man drüber lesen)]
Ja, die Welt ist nicht so einfach. Na ja, eigentlich die Menschheit. 1/3 von ihr glaubt an Jesus, was auch gut so ist. Doch niemand weiß so genau, wann und wo er geboren oder wann (und wo) er gestorben ist. Noch schlimmer ist, wenn man darüber fachsimpelt, wenn jeder eine andere Auffassung hat und kein gemeinsamer Nenner gefunden wird. Und die unglücklichsten Fehldeutungen werden dann in die Gedächtnisse der überwiegenden Zahl der christlichen Bevölkerung gebracht. Das sind oft meine Gedanken zum Osterfest, denn da wird es offensichtlich. Von Karfreitag bis Ostersonntag sind es einfach mal keine 3 Tage (zwischen Tod am Kreuz und Auferstehung). Wenn man es verquert sieht, vielleicht schon, aber ich scheue mich davor so zu denken, denn das kann nur Quatsch sein.
Zwiegespräch mit mir selbst.
Frei nach Kishon kann ich das auch führen ohne der Meinung zu sein, ich hätte den gleichnamigen Dachschaden in welchem Sinne auch immer. Die beiden Darsteller nenne ich mal First (F) und Walm (W).
Frei nach Kishon kann ich das auch führen ohne der Meinung zu sein, ich hätte den gleichnamigen Dachschaden in welchem Sinne auch immer. Die beiden Darsteller nenne ich mal First (F) und Walm (W).
Vorwissen: Herr Walm und Herr First haben zwei Dinge gemein: sie sind Rentner und Nachbarn, wobei First eine vorgefapte Meinung zu Herr Walm hat, der Umgangston der beiden ist unterhalb jeder feinen englischen Art. Walm ist eher der Intellektuelle, First mehr ein "Normalo". Sie kennen sich auch so gut wie kaum, obwohl sie schon seit Jahrzehnten faktisch Tür an Tür leben und von Zeit zu Zeit miteinander plauschen (auf ihrer ganz besondere Art).