(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

Die Mongolenkönigin, Teil 1
Es gibt wenige Menschen, die für mich mehr sind als nur blanke Leiber. Es sind sogar die Wenigsten. Diese Aussage ist subjektiv und ohne Wertung für jedes Individuum. Niemand sollte sich angesprochen fühlen, dennoch war es notwendig es beiläufig zu erwähnen. Für diese Erzählung aus dem Munde ist es sogar essentiell, werde ich doch sogleich tiefer in diese Aussage eintauchen. Es verlangt von mir viel ab, so eine gewisse Überwindung es a) zu erwähnen und b) obendrein darauf näher einzugehen, tat ich das doch noch nie publik, behielt es stets für mich und vertraute es nur wenigen GefährtInnen an. Wer diese Geschichte in der Fülle nachvollziehen will, sollte sich auf ein ähnliches Abverlangen einlassen, egal wie meine weiteren Äußerungen aus der Subjektivität auf die eigene Gefühlswelt wirken mögen.

Für mich war die Welt schon immer einsam oder ich war einsam in ihr. Ich fühle mich weniger einsam, wenn ich wirklich alleine bin und empfinde mich mehr alleine und verlassen, wenn viele Menschen um mich herum sind. Das ist völlig unabhängig davon, ob ich die jeweiligen umgebenden Personen "kenne" oder nicht, ausschlaggebend ist, wie ich sie wahrnehme. Und die allermeisten sind für mich optisch betrachtet eben nicht mehr - und leider auch nicht weniger - als Leiber. Da ist ein Körper und nicht viel mehr. Nach dem oberflächlichen Sehen folgt unmittelbar das Gespür. Und in den seltensten Fällen  kommt ein Leib auf mich zu, der nur Leib ist, dem ich etwas abgewinnen kann. Oft verhält es sich sogar so, dass ich wandelnden Körpern am liebsten großspurig ausweichen möchte. Umso erwachsener Menschen sind, desto höher ist mein Drang der Umgehung jener Kreaturen. Mit beginnendem Greisenalter kann das hingegen abnehmen. Das Leibfeld der Leiber wird eben schwächer oder befreit sich von dem Dreck, der sich an ihnen über Jahre anhaftete. Die Schwelle oder vielmehr der Punkt, wo ich von lebendig Toten gerne sprechen würde ist dabei grenzenlos. Daraus ergibt sich, dass ich mit Kindern, deren energetisches Konstrukt noch intakter und reiner erscheint, und Greisen am besten klar komme, so ganz pauschalisiert herausgewürgt. Kommunikativ kann ich mit jedem Menschen, vor allem dann, wenn die Gespräche tiefgreifender werden. Die Leiber beginnen dann mit - nicht in! - fremden Zungen zu sprechen und das spüre ich. Quasi unterhalte ich mich dann mit ganz vielen Personen auf einmal, aber der verschwindenste und geringste der Anteile ist tatsächlich das eigentliche Gegenüber. So ist und wird es für mich erträglicher und erscheint nicht mehr so verlassen zu wirken, so dass sich mein Empfinden nicht mehr unendlich einsam vorkommt. Es kann dann durchaus soweit führen, dass ich gerne die Gesellschaft mit gewissen Leibern teile. Durch die vielen aufgefangenen und übermittelten Fetzen von großen Schöpfern kommt eine irreführende Schwingung auf, die sich durch und durch manifestiert. Ich kann diese unterhaltsame Scharade genießen, lullt sie mich doch sanft ein. Lasse ich mich ganz darauf ein, umhüllt mich eine Schläfrigkeit, in der ich gerne eintauche. Dann schätze ich den schlummernden Zustand manchmal so sehr, dass ich am liebsten ständig in ihm verweilen würde, bis ich tatsächlich entschlafe. Das alles ist vergleichbar mit dem männlichen Empfinden nach dem Beischlaf, den weiblichen kenne ich leider gefühlsmäßig nicht, lediglich aus den Beschreibungen. Jedenfalls gilt hier gleiches wie bei der Vereinigung, nämlich den Höhepunkt möglichst lange hinauszuzögern, um am Ende ganz in den anderen Part aufzugehen. Und all das durch ein simples Gespräch, in dem ich gerne weniger aktiv rede und mehr lausche, der Berieslung wegen und all dem anderen angeschnittenen Eindrücken. Komme ich hingegen zu Wort - oder wird es von mir verlangt -, hadere ich mit der Stimme und/oder beschränke mich auf einsilbige Laute.

Teile ich einen Raum oder Platz mit Menschen für längere Zeit, bedarf es nicht mal einem Gespräch. Viele der herumwirbelnden Gedankenbilder, so unverständlich und wirr sie zumeist auf mich einwirken, treffen mich nicht im ersten Moment, verlassen aber auch nicht so schnell den Ort der Begegnung. Einige entweichen nach unten, andere versuchen nach oben oder zur Seite zu entschwinden, Genau diese sind es, die nicht den für sie bestimmten Weg finden, dessen grenzenloses Ende womöglich in den Weiten außerhalb der Stratosphäre liegt. Sie suchen nach ihrer Schwerkraft, die tatsächlich eine Treibkraft empor ist. Und weil sie oft nur Suchen und nicht finden, eingesperrt sind, erkennen sie andere oder mich irgendwann und letzten Endes, so wie ich sie schon viel früher erkannte. Teilweise vermag ich sie zu lenken oder zu leiten, doch in jedem Fall werden viele von ihnen ein Teil von mir. Im gewissen Sinne kann man es so umschreiben, dass ich hier eine telepathische Vereinigung auf empathische Weise eingehe. In Anbetracht dieser Parabel kann ich ergo gefühlsmäßig Gedankenwellen lesen. Und weil der Großteil jener Energien fremdbestimmt ist, durchzieht mich alsbald eine ähnliche Schwingungen, wie sie entsteht, wenn monologische Ergüsse auf mich einprasseln, bei denen ich lediglich den Part des Zuhörers erfülle. Das Ergebnis ist indes das Gleiche - das Wirklichkeitsfremde lullt mich ein und macht mich schläfrig. An diesem Punkt kann ich dann entweder entschlummern oder die Örtlichkeit verlassen (, sofern es die Etikette zulässt).

Mein ganzes bisheriges Dasein war ein Bombardement von solchen Eindrücken. Ich sollte der gemeinsamste Mensch sein, also das uneinsamste aller Geschöpfe. Ich trachte nicht nach dem Hinfortkommen, wie es die festgehaltenen Gedankenwellen mit gutem Grund tun. Vielleicht suche ich lediglich nach der Alleinsamkeit, ein wunderschöner Kunstbegriff, den ein Gefährte im Geiste vor Jahren kreierte. Man hat hier beide Phänomene in einem - und ist das nicht vielleicht genau jenes Stückchen Treibgut, was sich jeder insgeheim oder unterbewusst erhofft zu erhaschen - die Vereinigung aller Gefühle in seinem eignen Wesen, um endlich vermögend zu sein, um schöpferisch tätig werden zu können? Ist unser Sein nicht exakt darauf an- und ausgelegt?

      
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