(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

18:10 Uhr - Bonusminute

Ich fühle mich verarscht, aber ich hätte wissen müssen, was auf mich zukommen wird, hätte ich mich davor mal darüber informiert. Jetzt tat ich es und weiß, dass der Sonnenuntergang am 08. März 2021 in den Breitengraden, in denen ich lebe, um 18 Uhr und 10 Minuten stattfindet. Ich hätte da gestern schon (für) nachsehen sollen! Woher sollte ich auch wissen, dass er eine Minute später ist als der vom Vortag. Er hätten ja auch durchaus zwei oder drei Minuten sein können – mehr natürlich.
17:09 Uhr - 1966 und 1977

Es scheint mäßig traurig zu wirken, aber so echte Frauenrechtler*innen von heute wissen wohl auf was ich mit diesem Titel anspiele. Ich will darüber und darum kein Geheimnis machen, weil es keines ist – in der Schule wird es aber wohl schon lange nicht mehr gelernt, anders kann ich es mir einfach plausibel nicht erklären, dass so wenige junge Menschen davon heutzutage wissen.
15:09 Uhr - Großer und kleiner Frauentag

So viel bin ich katholisch-bayerisch geprägt, dass ich um etwas weiß, was viele am Internationalen Frauentag total vergessen – den Brauchtum. Nun ist es so, dass es zu diesem gemachten Tag kein globales Brauchtum gibt, es sei denn man schaut zu den Wurzeln gen Russland [Stichwort: Februarrevolution 1917]. Dortzulande werden nicht nur die eigenen Frauen, sondern auch die Mütter, die Arbeitskolleginnen und die hoffentlich platonischen Freundinnen von (wohl) verheirateten Männer beschenkt, die entweder ledig, geschieden oder verwitwet sind beziehungsweise gar tatsächlich ebenfalls in einer Ehe stecken. Ich weite das deswegen so aus, weil es zu dem Blumenpräsent gleichfalls immer einen Trinkspruch* oben drauf gibt. Da kann man nur hoffen, dass die armen russischen Männer nicht zu viele Frauenbekanntschaften pflegen (müssen), denn ohne Alkohol wäre ein Toast ja geradezu sittenwidrig.
14:09 Uhr - Der Reiz der Kurzgeschichte

Die kürzeste Kurzgeschichte, die ich kenne, ist von einem Idol meiner Kind-heitsgeschichte. Bezeichnenderweise ist sie nicht von einem Deutschen, sondern einem Schweitzer, der im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftrat – und zwar in der Kindersendung ›Floris Zapp Zarapp‹, wohl in den Jahren 1987-1991. Den Ausstrahlungszeitraum sowie den Namen an sich musste ich, zugegebenermaßen, nachschlagen, weil mir das im Kopf nicht einfallen wollte. Die Geschichten von Franz Hohler sind mir aber noch bewusst, auch wenn ich nur eine von ihnen auswendig und völlig korrekt zitieren kann. Ergo waren es weniger seine großen Kurzgeschichten - die schon reduziert waren, aber dennoch ein ganz großes Buch erforderten -, die mir in Erinnerung blieben. Es ist diese eine, immer gleiche und äußerst minimalistische Erzählung, seine kürzeste, die stets den Namen trug: ›Der große Zwerg‹. Sie stand in einem sehr winzigen Buch, so klein, dass es in eine Handfläche passte. Die Geschichte an sich ist wirklich extrem kurz, und ich denke, ich kann sie ohne Gefahr einer Copyright-Verletzung ohne weiteres zitieren; sie ging wie folgt:
13:09 Uhr - Büro-Kauderwelsch

Ich bin ein Game Changer und will mein eigenes Projekt noch mal challengen, um eine gemeinsame Win-Win-Situation einzuläuten. Jeder Global Player wird mit mir committen, wenn dabei ausschließlich Quick Wins rausspringen sollten. Ach, was sage ich ›sollten‹ – Awareness wird Einzug halten in unser aller Soft Skills, die ohnehin schon lange mal upgedated werden müssten, asap selbstredend. Die narrative Storyline verlangt einen Relaunch, aber erst nach dem Lunch: ›Culture eats strategy for breakfast‹ – der Slogan ist nicht von mir, sondern von Peter. Peter ist ein Culture Developer mit high potentials. Ich weiß das, seitdem NIBES deren Annual Conferences abhalten. Die haben ein straightes Mission Statement, um Dinge deutlich zu leverangen. Point taken oder war das zu sehr sophisticated? Das ist wichtig - important -, denn keiner sollte hier mit einem Overload rausgehen. Also lasst uns loslegen mit ein wenig Brainstorming – oder wie ich es immer gerne nenne, um mal ein neuerliches Synonym einfließen zu lassen: Beginnen wir mit ein wenig blue sky thinking!
12:09 Uhr - Jugendsprache

Jetzt bin ich etwas mehr als drei Stunden wach und würde gerne sofort wieder schlafen [gehen]. Das liegt nicht daran, dass ich müde oder abgeschlafft wäre, sondern weil es besser wäre, als hier fortzusetzen. Würde ich jetzt die Augen zu machen, könnte ich gewisslich schlafen oder schlummern, vielleicht nur für einige Minuten oder gar für Stunden. Die Zeit bis zum Fastenbrechen würde sich durch so eine Taktik erheblich reduzieren. Die Texte, die ich spreche, wären dann nicht lesbar, weil ich sie nicht niederschreiben würde, weil ich es nicht könnte, weil sie nicht existieren würden. Ob sie gut oder schlecht sind, werde ich erst später beurteilen können; sicher bin ich mir nur bei einer Sache: Sie werden nicht das Niveau erreichen, dass ich mir selbst zugeschrieben habe. Ich kann mich noch so quälen mit den Worten, es werden dennoch keine Gedanken zu rechtschaffender Stunde sein, die es wert sind gesprochen geworden zu sein. Ich rede mir das nicht ein, ich merke es mit jeder Silbe.
11:09 Uhr - Vernebelung

Mein vorheriger Eintrag war nicht tendenziös im Hinblick auf das, was ich jetzt von mir geben werde – in einem Satz: Ich bin ein Nicht-Befürworter des ›gegenderten Neusprechs‹. Und ich bin es leid, dass ich ›Anti‹ sein muss, um normal zu sein. Ich würde das Thema erst gar nicht anschneiden, wenn es nicht ein globales Desaster wäre, auf das die Welt allmählich zusteuert. Ganz recht: Die Sprache, die wir sprechen, soll weltweit geändert werden, was keine Verschwörungstheorie ist, sondern eine bedauernswerte Tatsache, die es nicht zu vertuschen gilt; ganz im Gegenteil: sie muss offengelegt werden.
10:09 Uhr - Bewahrer der Zukunft

Ganz zu Beginn meiner ›Quatemberfasten-Reise‹ durchs Jahr (2020/21) schwappte mir eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zu, sie drängte sich mir förmlich auf, damals im Juni 2020. Um es prägnant auf den Punkt zu bringen, verdienen demzufolge Mütter im Laufe ihres Berufslebens deutlich weniger als Frauen ohne Kinder. So hart und aufgeklärt das klingt, interessierte es mich seinerzeit nicht sonderlich stark, da es hier lediglich um den schnöden Mammon ging und statistische Erhebungen - so gut sie auch sind - immer nur eines bleiben: ein Querschnitt, der individuell betrachtet niemals repräsentativ sein kann.