(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

60 hours – Die prophetische Ader
Gundelsheim, Sonntag, 16. August 2026 
(Dominikanische Republik: Tag der Wiederherstellung / Día de la Restauración)

Es ist zwanzig nach 5 (Uhr). Ich bin wach. Zum Schlaf fand ich kaum. Wie schon vor einem Jahr, bei meinem ersten Digital Detox, trat ich die Flucht von der Couch auf den Fußboden an. Die Hitze zwang mich dazu. Es musste so um halb 3 gewesen sein. Auf dem Parkett verweilte ich dann für circa 2 Stunden. Ehe ich mich wieder (auf) ins (erhöhte) ›Bett‹ begab, kam ich zu dem Schluss, es vorher auszuziehen. Zur Erklärung sollte ich erwähnen, dass ich seit Anfang Juli stolzer Besitzer eines neuen Rückzugsortes in Form von einem L-förmigen (Eck-)Sofa bin, dessen ›L‹ verschwindet, wenn man es prachtvoll zur vollen Größe ausfährt. Diese Anschaffung war überfällig und brachte mit sich eine gewaltige Erhöhung meiner Lebensqualität, an der sich so schnell nichts wohl ändern wird.
Wie dem auch sei, es ist nun fast halb 6 am anbrechenden Morgen, sofern man schon von einem Morgen sprechen kann. Es düstert noch. Die Nacht kämpft in ihren letzten Zügen. Aber keine Sorge. Es ist zu früh für mich, um den Zustand von dunkel auf hell an der Stelle näher zu beleuchten. Festzuhalten ist indes: Ohne Straßenlaternen wäre es weitaus finsterer.
60 hours – Planlos an Mariä Himmelfahrt
Gundelsheim, Samstag, 15. August 2026 
(Afghanistan: Jahrestag der Machtübernahme der Taliban | Äquatorialguinea: Tag der Verfassung | Indien: Unabhängigkeitstag | Liechtenstein: Nationalfeiertag / Fürstenfest | Nord- und Südkorea: Nationaler Tag der Befreiung)

Exakt 24 Stunden liegen hinter mir. Ich muss dafür nicht einmal auf die Wanduhr schauen, denn das Läuten der Kirchturmglocken gepaart mit dem schwindenden Licht sind deutliche Vorzeichen in der Mitte von Augustmonaten, dass es demnächst dunkeln wird. Dazu kommen die bereits spürbar kühleren Lüfte und stetig abfallende Temperaturen. Wäre es hier nicht gerade eben windstill, würde ich glattweg eine kleine Spritztour mit meinem neuen Rad namens Jim wagen. Das ›Wohin‹ stünde außer Frage. Der nahegelegene (Zückshuter) Forst böte sich an. Im Speziellen kommt mir ein Hügel in den Sinn. Als Kind fuhr ich dort im Winter, wenn Schnee lag, immer Schlitten. Auch als Jugendlicher noch, dann natürlich ohne Begleitung von Erwachsenen. Später, den Kinderschuhen längst entwachsen, rodelte ich weiterhin bei jeder Gelegenheit, zugegeben nicht dort, aber stets in Entourage von Vierbeinern. Mit meinen zwei eigenen Hunden besuchte ich oft und gerne den besagten Hügel. An der höchsten Stelle stand eine Bank am Waldesrand, von der aus man bei klarem Himmel das Wahrzeichen der benachbarten Stadt Bamberg sehen konnte – die Altenburg; unterhalb dieser, keine 5 Gehminuten entfernt, wohnte ich einst sehr lange, an die 10 Jahre. Warum ich das alles erwähne, weiß ich nicht so recht. Vielleicht weil ich gerne meine Gedanken schweifen lasse und dabei von einer Sache zur anderen überdrifte, ohne vorher darüber nachzudenken, wie das auf einen wirkt, der mir zuhört oder das liest. Dazu kommt, dass ich mit dem Schreiben auf Papier so meine lieben Probleme habe. Ich bin es schlicht und ergreifend nicht mehr gewohnt, irgendwann schmerzt die Hand und ich verkürze Erzählungen. Dessen ungeachtet, wer mit mir (ab)driftet, vergiftet – oder kurz: Wer driftet, vergiftet. Für einen Aphorismus zweifelsfrei zu wenig und für einen Merksatz nicht gut genug. Obwohl, ›Wer rastet, der rostet‹ war ja auch nie ein geistiger Überflieger. Fürs Protokoll (– unnötige Einschübe hin oder her): Ich schreibe, wie schon beim letzten Digital Detox, klassisch mit dem Stift in der Hand. Eingesprochen wird erst hinterher. Mein kleines Buch von Claude Monet will gefüllt werden.* Alle Einträge bei der digitalen Entgiftung von vor fast genau einem Jahr ergaben lediglich 59 beschriftete Blätter, woraus spärliche 44 getackerte Seiten des – im obligaten 17x17-Zentimenterformat – Schundhefdlas #21 wurden. Zahlreiche Abbildungen machten es möglich und waren nötig. Und erneut verzettele ich mich und sehne, nein, sehe mich rhetorisch fragend nach dem ›Warum‹ und mein dabei, dass der arme Leser irgendwie einem leidtun kann. Meine Unfähigkeit, Dinge beim Namen zu nennen, ist sehr ausgeprägt. Eine gar klägliche Ausrede (oder Entschuldigung) wäre, meinen Hang zur Akribie anzuführen. Böse Zungen könnten meinen, dass ich schwätze. Doch verhält es sich nicht so, dass spöttische Lästerbacken stets die Debatte meiden und somit selbst Schwätzer sind? So gesehen bedarf es keiner Rechtfertigung. Beide Seiten können ihre konträren Standpunkte aushalten.
60 hours – Der wolkenlose Himmel
Bamberg, Freitag, 14. August 2026 
(Bolivien: Fest der Jungfrau von Urkupiña | Haiti: Bois-Caïman Day / Tag der Union für die Freiheit | Israel: Rosch Chodesch Elul | Malediven: Nationalfeiertag Qaumee Dhuvas | Pakistan: Unabhängigkeitstag | Vatikan: Vigil M. Himf.)

Das Sportlerbier hat ausgedient.
Die Zigarette danach behält Bestand.

Der sich aufdrängende Abend wird in Bälde von der bevorstehenden Nacht abgelöst. Ein wolkenloser Himmel breitet sich aus, über alle, die unter ihm stehen, gehen oder liegen; selbst die Luftakrobaten können diese einmalige Schönheit keineswegs negieren. Gerade die Gestalten der fliegenden Kunst wissen von der Nichtigkeit der Existenz und trällern davon ein unbedeutendes Liedlein.
Eine Figur betrachtet das Spektakel in trauter Stille – industriell verarbeiteten Tabak rauchend und in trivialen Gedanken versunken, hält sie sich für wichtig und groß, denn sie wartet auf die Ewigkeit. Ihr Verlangen danach ist dermaßen ausgeprägt, dass die Stimmung um sie herum von einem zarten, kaum zu greifenden Schleierhauch bedeckt wird. In ihrer Wahrnehmung zumindest. Sie muss nicht knien, sich demütigt niederfallen lassen, und Alkohol ist beileibe nicht von Nöten, um ihre Sinne vernebeln zu lassen. Ungeachtet des Nikotinstängels soll ihre Stimulanz der Augenblick sein, wovon ihr allerdings bisweilen die Kenntnis fehlt. Hingegen weiß Frau Moment, dass Herr Figur – naturgemäß ist es/er männlich! – noch ein paar Lungenzüge zu absolvieren hat, ehe der sprichwörtliche Funke ihn ergreifen wird, um letztendlich ihre ungeteilte Aufmerksamkeit einzufordern. Jene Frau Moment ist klug – vielleicht sogar weise –, bestückt mit sanfter Langmut dem Herrn Figur gegenüber und einer jeden Menschenseele, deren Bestreben es ist, Belastungen mit Geduld zu begegnen oder sie mit Ruhe zu tragen.
60 hours – Eine schreiende Vorrede
Gundelsheim, Samstag, 24. Oktober 2026
(Deutschland und Südtirol: Tag der Bibliotheken)

Zwei Monate vor Weihnachten und dazu noch ein Sabbat! Es verwundert nicht, dass das Ehrenfest am Ende der adventistischen Zeit auf einen Donnerstag fällt. Reiß die Lider auf! Zieh die Augenbrauen hoch! Öffne den Mund! Schütze ihn mit einer Hand und klatsch die Innenseite der anderen schallend gegen die Stirn. Dann betrachte deine Handflächen, ehe du deinen Kopf darin vergräbst. Verspürst du den Drang, deine Vorderextremitäten voller Erstaunen empor zu heben und mit leicht angewinkelten Armen nach einem absoluten Ratschlag gestikulierend und stimmgewaltig zu fragen? Ja? Nein? Egal! Schabbat Schalom! Willkommen sei die Vorrede zu ›60 hours – Digital Detox‹!
Beer Walks – Ein etwas anderes Nachwort
Beer Walks. Die Nachworte. Etwas anders. Wir haben Platz. Wir haben Zeit. Was fehlt ist ein ›Plan‹; nennen wir es eine Idee. Nein. Besser noch: Bezeichnen wir es als einen Einfall. Ein. Eine. Einen. Wem ist das aufgefallen, außer mir beim Sprechen? Eine solch bescheuerte Frage ins Nichts, in den Hauch der Nacht gedacht, beförderte mir eine erste Eingebung in Form einer weiteren Frage, die ich nicht nur an mich, sondern auch an alle richten kann + sogleich verlauten werde. Und niemand von uns muss darauf ad hoc antworten, was noch schöner ist; sie lautet: Was bleibt von all den Worten hängen? Ich meine, selbst wenn da kein einziges Fünkchen wäre, das die Chance erhielte, sich für länger als einen Moment der Kurzweil in die tiefsten Gehirnwindungen einzufräsen, wäre das nicht sonderlich schlimm. Man kann damit nicht enttäuscht sein. Immerhin spiegelt das die Natur von Dime Novels wider. Pulp ist und bleibt Schund (sic!) in Heftform, trivial und unbedeutend und in jedem Fall in Teilen mit zweifelhaften Inhalten – ein Beispiel folgt im übernächsten Satz. Manche Dinge ändern sich auch nach weit über 100 Jahren nicht; der Anstrich ist heute ein anderer, womit ich die äußere Form meine. Was man früher unter dem Begriff des billigen Holzschliffes verkaufte, wird heute als Bio-Papier vermarktet – und ja, hier hatten wir diese kontroverse Behauptung, die nicht einmal einer Theorie würdig ist. Oder etwa doch? Umweltfreundliches, chlorfrei gebleichtes Papier vergilbt in einem Raucherkino ebenso schnell wie die gute alte Frischfaser, zugesetzt mit ganz viel Chlordioxid. Das ›sic!‹ hinter der Aussage denken wir uns gemeinsam mit allen anderen Meistern der Schundschriftkünste, deren Anekdoten Servietten verzieren, die in ihrer enttäuschenden Unbedeutendheit auf einem Holzbrett voller Restkrümel einer verputzten Margherita-Pizza liegen oder anderswo einen dürftigen Platz fanden.
Geistesblitz, ich hör dir trapsen. Es war die Lerche, nicht die Nachtigall. Poesie täte der Sache gut, selbst wenn sie sich arg spät anbiedert. Bereichern wir den Groschen mit einer schweren Münze, um Fragmente zu setzen, die nicht nur fallen, sondern auch erhalten bleiben. Das war noch nicht die Poesie, die folgt jetzt – ungezwungen in fünf ineinander verschachtelten Aphorismen.
Beer Walks – A Final Chapter, Part II
›Und das Wort des HERRN geschah zu mir also.‹ (Jer 1,4)

Das Wort eines zweiten Moses. Das Buch Jeremia wollte ich lesen; gehört habe ich es schlussendlich, bei normaler Abspielgeschwindigkeit. Volle 5 ½ Stunden lang. Teilweise hatte ich mitgelesen, vor allem am Anfang, als es um den Sendungsbefehl durch JHWH ging (Jer 7,1): ›Das Wort, welches von Seiten des HERRN zu Jeremia geschah, also.‹
Am Stück wollte ich es durchziehen. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass es mir nicht gelang. Zu geistreich waren die Verse, zu düster die Prophetien, insbesondere am Anfang seiner Berufung. Der Twist zum Guten (für Israel) kam übel langsam daher. Erst im Kapitel 25,11 erfährt man, dass die Pein, die Gefangenschaft im babylonischen Exil, nach 70 Jahren enden wird. Man bleibt aber bei der Stange, weil immer wieder vereinzelnd Wahrheiten in Erinnerung gebracht werden, wie beispielsweise bei Jer 10,12, wo es heißt: ›Er hat die Erde gemacht durch seine Kraft, den Erdkreis festgestellt durch seine Weisheit, und die Himmel ausgespannt durch seine Einsicht.‹
Genau diese Art von eingesprenkelter Poesie mochte ich sehr, obgleich stets umrahmt mit mahnendem Unterton. An der Stelle machte ich auch die erste Pause. Rund 20 % der Kapitel lagen hinter mir. Es mag etwas seltsam klingen, wenn ich im Nachhinein behaupte, dass ich jede aufgewendete Minute aufgesaugt und in ihrer Ganzheit genossen habe. Bereits hier wurde mir deutlich klar, dass meine einstige Meinung zu Jeremia übersät mit Vorurteilen war. Der Weg hin zum Losungsvers 18 aus dem Kapitel 31 schien in greifbarer Nähe zu liegen.
Der HERR der Heerscharen legte die Worte in den Mund von Jeremia, aus der Priesterstadt Anathoth, unweit von Jerusalem entfernt, und ich, unmittelbar sitzend vor dem sprechenden Laptop – der T’Sally aus dem Hause Lenovo (sic!) –, lauschte. Ich gebe offen zu, manches Mal waren es lediglich die Gleichnisse, die meine Ohren nicht trennen wollten von der Stimme des Vorlesers.
Beer Walks – A Final Chapter, Part I
2. Dezember 2025, 23:52 Uhr

Beer Walks—final chapter. Endlich! Und so beginnt der bereits mäßig langweilende Chat, der sich im Lichtschatten einer Straßenlaterne verliert.

›I'm going to sleep now [...].‹

Mit diesem englischsprachigen Palaver wurde und werde ich auch im letzten Teil nicht wirklich Glücksgefühle auslösen, weder bei mir, noch bei anderen. Ständig muss ich Nebensätze auslassen, teils zum Eigenschutz, meist deshalb aber, um den Schund unter einer Altersbegrenzung zu halten. Nun ja, sei es, wie es sei. Ziehen wir es dennoch durch, respektive ich. Die Jugend darf lesen, was sie nicht zu verstehen vermag. Und junge Menschen fragen gerne. Hier wäre ein Beispiel.
Beer Walks – Eine An- und Wiederkunft
30. November 2025, 23:44 Uhr

Der vorherige Psalm (84,11) war ein versteckter Spoiler + ein vollständiger. In der (›damals heutigen‹) Tageslosung wurde er nämlich lediglich verkürzt wiedergegeben (bis zum Strichpunkt). Ich frage nicht mehr nach dem ›Warum‹ oder hauche ein ›Weshalb‹ heraus. Das Zitieren von einzelnen Psalm-Versen halte ich ohnehin für Unfug, ebenso wie Zitate aus den Spruchsammlungen oder dem Buch Prediger. Beide sind von Salomo. Beim Anfertigen seiner ›Nachrichten‹ (an seinen Sohn) in den Sprüchen war er im mittleren Alter, beim Prediger im gesetzten. Das verändert alles, insbesondere den gesamten Denkapparat. Und wenn man das nicht weiß oder es unberücksichtigt lässt bei einer Lese, dann ist das mitunter undienlich, manchmal sogar schädlich. Glücklicherweise, zu Anfang meiner Passion (für die Losungen),  bewahrte mich die eigene Neugier vor Missgeschicken. Ich wollte beispielsweise nicht nur einen einzelnen Vers aus einem Psalm lesen, ich verschlang – quasi im Nachgang – den ganzen. Vielleicht sollte ich damit wieder beginnen. Nicht aber am Morgen, der Abend eignet sich besser dafür – wenn alles getan ist und Stille einkehren darf. An der Stelle brennt es (in) mir bereits (danach) ein Zwischenfazit zu ziehen, um nicht zu sagen, aus der Reflexion heraus ein endgültiges. Und doch zügle ich mich in Worten und lasse keine gesprochenen Taten folgen. Es ist zu früh. Daher geht es weiter im Takt. Mit dem obligatorischen Talk würde ich einfach mal starten.