(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

Tag 5071 - Verdrängen
Manches vermag nicht positiv postuliert zu werden. Ich kann verdrängen, dass dieser Eingangssatz nicht gut war, das wird aber nichts daran ändern, dass er schlecht war und auch immer schlecht sein wird. Das ist und war eine objektive Tatsachenbeschreibung meinerseits. Ich werde diese Feststellung niemals revidieren. Ein Satz, der ein an sich positiv-konnotiertes Wort verneint, es zu einem Negativen stilisiert, ist immer schlecht. Kann man vielleicht den Begriff "Verdrängen" in ein gutes Licht stellen, ohne dass dafür etwas anderes in den Hintergrund rückt?
Tag 5070 - Verheddern
Die Hände hinter den Kopf, vier Schritte gen Norden, vier gen Süden und immer wieder das Gleiche für eine ganze Weile, barfuß auf Parkett. Ich war nicht entspannt bei meinem Mini-Marsch in der eigenen Behausung, aus bewussten Gründen. Anspannung ist manchmal sehr angenehm, zumindest wenn man es sich aus erklärbaren Gründen abverlangt. Unweigerlich spann ich beim Hin- und Herschreiten den Gedankengang, wie sich ein soeben Gefangengenommener fühlen müsste. Schnell sprang ich allerdings ab von solchen Überlegungen, wechselnd in eine völlig andere Richtung. Ist es nämlich nicht so, dass sich in diesem Zustand auch zahlreiche Menschen, vor allem Männer, nach einer vergnüglichen Anstrengung auf den Rücken liegend entspannen - so gesehen: relaxen? Ob hier wohl ein gemein-geheimer Zusammenhang besteht? Eine freiwillige Auslieferung, oder will man lediglich die Hände weit genug von allem entfernen, was jenseits des Unterleibes [offen] liegt?
Tag 5069 - Verharmlosung
Wenn ich ein Wort wählen müsste, dass für meine gesamte Lebenszeit steht, dann wäre es die Verharmlosung. Kein "Unwort" des Jahres, kein "Unwort" eines oder gar vieler Jahrzehnte, kein "Unwort" einer Generation, sondern ein "Unwort" zahlreicher Generationen - das ist die Verharmlosung. Verharmlosung ist ergo keine Bagatelle. Man trifft sie überall und jeden Tag an. Die Verharmlosung macht das Leben leichter und bekömmlicher, das Leben mit dem verharmlosten "Ding" wird dadurch generell nie lebenswerter, es suggeriert nur den oberflächlichen Eindruck eines lebenswerten Lebens trotz dem Umstand, dass eine oder zumeist mehrere Verharmlosungen existent sind.
Tag 5068 - Verbalinspiration
Worte sind Geist und Leben. Mit den Gedanken wurden die Worte gegeben. Zwischen gesprochenen Worten und gedachten Gedanken besteht also eine fundamentale Abhängigkeit. Gedacht wird zumeist in Vorstellungen, weniger in Worten. Wenn vorgefertigte Vorstellungen in den Geist der Gedanken einfließen, so werden sie auch aus dem Munde des fremdgelenkten Denkers authentisch herausfließen. Wenn jener Denker sie verschriftlicht, läuft er allerdings Gefahr die Vorstellungen teilweise zu verfremden. Die Ansicht, dass die Verfremdung nahezu immer stattfindet ist mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch - und mit allem Nachdruck - zu verneinen.
Tag 5067 - Verbellen
Spätherbst in Franken, 20 nach 7. Aus dem Schatten der Dunkelheit schleicht sich ein Geschöpf aus einer Hofeinfahrt. Mit langsamen Schritten nähert es sich dem auserwählten Opfer, wissend dass dieses ihr Ankommen weder erahnen noch erkennen kann. Der Hof ist stockfinster und die unweit vom Anwesen aufgestellte Straßenlaterne beleuchtet den schmalen Bürgersteig mehr schlecht als recht. Die Verhältnisse für eine unerwartete Attacke könnten für das Geschöpf nicht besser sein.
Tag 5066 - Verlaufen
Heutzutage verläuft man sich eher seltener als man sich verfährt. Bestimmt verfährt man sich auch weniger oft als früher, aber proportional sind da doch deutlich mehr Verfahrer als Verlaufer unterwegs, weil im höheren Maße Fahrer statt Läufer zugange sind. Ich rede nicht unbedingt nur von Autos und anderen weniger bereiften Motorgeschossen. Radler verfahren sich wohl auch - mit handelsüblichen Drahteseln oder gar Pedelecs, diesen neumodisch-betriebenen Elektro-Zweirädern. Motorbetrieben ist hier das ausschlaggebende, wortmorpheme Adjektiv. E-Bikes gehören verboten oder streng unter Führerschein-, Kennzeichen- und Versicherungspflicht gestellt, wie jedes motorisierte Fahrrad, kurz: Mofa. Und wer das nicht aufbringen will und selbst nicht mehr in die Pedale treten kann, der soll laufen. 
Tag 5065 - Vergewissern

Wer ein Tattoo hat, braucht sich nicht täglich vergewissern, ob es noch an Ort und Stelle steht. Es bewegt sich zwar mit den Jahren, marginal wohl, dennoch wird es nicht verschwinden, tut man nichts dagegen oder eher dafür. Ich schreibe mir nichts auf den Rücken oder sonst wo hin, und eventuell ist das auch ein Grund warum ich unliebsame Dinge vergesse. Trotzdem halte ich es für immens wichtig mich auch an triste Zeiten zu erinnern, vielleicht auch gerade deswegen, in dieser Reflexion, um abermals zu erkennen, wie trostlos es einst war. Vergewissern ist wichtig, allein schon aus Gewissen zum Wissen.
Tag 5064 - Vergessen
Mir fiel gestern ein gutes Wort mit der Vorsilbe "Ver" ein, aber ich vergaß es wieder. Dann dachte ich heute verzweifelt über das "Ver"-Wort nach, das mir entfiel. Auf der Arbeit. Beim Rauchen. Im Raucherhäuschen. Auf dem Hof. Im Freien. Am Abend. So spät am Abend, dass im Kabuff schon das Licht wie aus Zauberhand anging. Beim Verlassen der Denkstätte entschied ich mich nicht mehr weiter darüber zu sinnen - und daher ist das heutige Thema: Das Vergessen. 
Tag 5063 - Verunglimpfung
Die allermeisten meiner gesprochenen Wortbeiträge erhalten erst im Nachhinein eine Überschrift. Bei den "Tagespostgeschichten" ist es allerdings etwas anderes. Sie fangen immer mit dem Wort "Tag" an, danach folgt eine vierstellige Zahl beginnend mit 5 und am Ende gibt es einen Untertitel. Ich weiß vorher ergo genau von was ich sprechen will, könnte man denken. Doch schon alleine die soeben genannten Bezeichnungen wirken kritisch. Wenn "Tag" der Titel sei, wird die Tageszahl zum Untertitel, und der Untertitel wäre damit ein so genannter Nebentitel. Man merkt vielleicht schon: Heute wusste ich es zum Beispiel nicht, also vielmehr ihn, den "Nebentitel", der doch den Inhalt bedienen soll. Das ist überhaupt nicht gut für einen Beginn.