(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 9

Das Schundhefdla ist schon lange gedruckt und verkauft sich wie jedes Groschenbüchlein mit geringer Marge. So soll es sein, so darf es sein, so muss ... es ist so. Punkt. Und trotzdem! Manche Geschichten sind nach dem vermeintlichen "Fin" - nach dem letzten Punkt - gemeinhin nicht zu Ende, meist ist dem sogar so, wenn es sich dabei um solche Erzählungen handelt, die aus dem Leben geschrieben sind - oder in unserem meinem Fall: gesprochen wurden. Die nachfolgenden Zeilen kann ich daher recht schlampig denken und niedersprechen, weil es mit großer Wahrscheinlichkeit keine Neuauflage geben wird, vielleicht mal eine Gesamtauflage aller GzN-Geschichten, aber wer weiß das schon außer mir - richtig: keiner.
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 8

Unsere Sprache ist abstrakt - leider. Wir kennen mehr als ein Hier & Jetzt - ja. Wir sprechen, um Geschichten zu erzeugen - ich weiß nicht was ich davon halten soll, ehrlich. Von den wenigen indigenen Völker, die heute in Reservats leben "dürfen", gibt es wohl nicht einmal eine Handvoll, die sich einer Sprache bedient, die zeitlos ist, das heißt: keine Zeitform kennt. Ohne Vergangenheitsform wird es schwer Geschichten zu erzählen. Ohne abstrakte Überlegungen hin zu zukünftigen Ereignissen, wird es problematisch - mitunter auch für Geschichtenerzähler. Dennoch kann Sprache ohne Präteritum und Futur auskommen. Ich werde es so denn einem Versuch unterziehen...
[... und ahne, dass ich scheitern werde; so oder so: es wird das (vielleicht aprupte) Ende der Erzählung sein!]

Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 7

Bewusste Klar-/Tagträume beginnen bei mir meist in strukturierten Schemen, gleiches gilt im Prinzip auch für gelenkte Traumreisen. Ausgangspunkt ist ein blauer Himmel mit weißen Wolkenblasen, deren Symmetrie rund erscheint. Oft kann ich in der dreidimensionalen Wolkenwelt nur schemenhaft zweidimensionale Abbildungen erkennen, gelegentlich sind diese auch mal klar, vor allem wenn ich sie schon besucht hatte. Hinter jeder von ihnen verbirgt sich eine andere Traumwelt. Da ich körperlich ungebunden zu sein scheine, kann ich mir quasi aussuchen, wo ich eintauchen werde. Wenn ich ambitioniert und mit Tatendrang in die anderen Realität des Seins eindringe, suche ich gezielt nach schon bekannten Bildern in den Wolkenblasen oder neuen, die vom Gefühl her in eine gleiche vergangene Zeit führen, die ich besuchen zu gewillt bin. In dieser Übersichtswelt kann ich natürlich auch in gegenwärtige Handlungsstränge eintauchen oder in solche, die in eine Zukunft führen. Raum und Zeit spielen ergo  untergeordnete Rollen in meiner persönlichen "Schaltzentrale der Träume", dennoch habe ich keine Freifahrtkarte. Ich kann die Bilder in den Wolken nicht erschaffen, sondern nur von/auf denen ab-/zugreifen, die bereits vorhanden sind. Auch hier gibt es Ausnahmen, aber ich manipuliere mich selbst ungern.
[Eine "Fußnote" lasse ich aus.]

Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 6

Ich hatte einen Trump, ähm Traum. Einen Traum natürlich. Ich habe immer Träume, weil ich Träumen mag. Träume werden unterbewertet. Ohne Träume würde ich nicht Bloggen/Schreiben oder, wenn überhaupt, nur trivialen Unsinn. Ohne Träume wäre ich auch nur ein halber Mensch. Ich betrachte die Traumwelt als die andere Welt der Realität, aber nur deswegen, weil wir in einer dualistischen Welt leben. Wäre die Welt polaristisch, gäbe es meine Anschauung nicht, sie wäre unsinnig. So jedoch kann ich aus dem Dualismus heraus eine Polarität finden.
[Diese Aussage bitte überdenken! Sie ändert alles!]

Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 5

"... schwarz, gräulich, weiß, transparent und kaum farblose Bilder..." war nach dem "aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet" ein Motto des Weblogs, wobei hier ein Freud'sche Versprecher greift, denn mit "kaum farblos" meinte und meine ich weiterhin "kaum farbig", also Bilder ohne Farbe. Freud an sich war ja schließlich auch der Rucksatzträger der Anfänge dieser Webpräsenz, frei nach dieser Verschwurbelung:

"<<| »Ich ziehe die Gesellschaft der Tiere der menschlichen vor. Gewiss, ein wildes Tier ist grausam. Aber die Gemeinheit ist das Vorrecht des zivilisierten Menschen.« <|> s i n n g e r e c h t | s i n n v e r k e h r t <|> »Die Stimme der Vernunft ist leise.« (S. Freud) |>> "
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 4

Heute bei der Stippvisite am östlichen Teil des Schlachtfelds kamen gar sonderliche Gedanken in mir hoch, die sich in einer jugendlichen Metapher fassen können - Vorsicht! Ich wiederhole meine laut geäußerten Gedanken jetzt vorbehaltlos: "Das ist ja schlimmer als Hitler!" Das sind fremde Worte, die ich mir so nie zusammenreimte und lediglich mal aufschnappte und in dem damaligen Moment, bei der ersten und einzigen Hingabe, als frisch und erheiternd empfand. Doch ehe das sprunghaft kommende Amüsement meinerseits seine Vollendung in zuckenden Mundwinkeln seinerzeit fand, setze die Beherrschung ein, die mir klar machte, dass das eben Gehörte zwar durchaus, und bei aller Oberflächlichkeit, einen gewissen Schmunzeleffekt bewirkte, dennoch in seiner Gesamtheit zutiefst widerlich erscheint. Nicht unbedingt der Worte wegen, sondern der Gesinnung, die man dahinter vermuten kann. Der jugendliche Sprachstilismus kann eine Metaebene erreichen, zu der ein Erwachsener nie fähig wäre, gerade weil er vielleicht ein wenig mehr Tiefgang besitzt. Man spürt so dann den faden Beigeschmack, den die Geschichte mit sich bringt, die man vielleicht etwas eindrücklicher kennt, als das junge Gegenüber. Die Folge ist dieses Ekelgefühl, das sich breit macht und sich festsetzt. Mit anderen Worten: Als ich das Ausmaß der Zerstörungsgefühllosigkeit zwischen Himbeerstrauch und Mädesüß in seiner Gesamtheit aus der Ferne erkannte, musste ich mir eingestehen, dass dieser Satz mehr Gefühl mit sich bringt als alles Dargeboten. 

["Bitte diese Feststellung nochmals überdenken", so lautete eine Randnotiz für mich während des Aufsprechens in das Diktiergerät. Danach folgte eine lange Phase der Stille, ehe ich wie folgt fortsetzte:] 
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 3

Es gibt das Klischee, dass die arbeitenden Bevölkerung - malochend in einer Wohlstands-5-Tages-Woche -, dazu neigt, den Montag nach einem ereignisreichen oder eher ausgefüllten Wochenende zu verdammen. Pfeifend schleicht sich der in Lohn/Gehalt und Brot stehende Unselbstständige mit dem Liedlein "Tell me why I don't like Mondays" zum Ort des Schaffens, was auch immer er schafft und welchem Klischee er sich dabei auch immer bedient, es ist das kitschigste aller, das überhaupt nichts mit Kunst - mit Lebenskunst! - zu tun hat. Kundera (-, Milan -) schrieb zum Kitsch mal, das er - der Kitsch - die absolute Vereinigung der Scheiße ist, im wörtlichen, wie im übertragenen Sinne. Er benennt im Zusammenhang die Verkennung des ursprünglichen Wortsinns, wonach der Begriff Kitsch in seiner metaphysischen Bedeutung verwischt wurde. Den Wortlaut bekomme ich auswendig nicht hin, aber es stammt aus seinem - meiner "Meinung" nach - besten Werk, dem einzige, das ich auch kenne: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins*.
[* Carl Hanser Verlag, 1984. Buch-Nr. 100106, Seite 326 ff.] 
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 2

Genauigkeit liegt mir nur dann, wenn ein Spleen, den ich selbst entwickelt habe, mir es vorschreibt. Ich kann es daher nur meiner mir eigens einverleibten Oberflächlichkeit zuschreiben, wenn ich Dinge nicht finde. Mir liegt das abstrakte Suchen nicht, ich tue es lieber intuitiv. Instinkte habe ich dafür nicht, aber ein Etwas mit mir, das mir den Weg zeigt. Oft höre ich aufgrund meines Stur(un)sinns nicht darauf, darf mich wenige oder längere Zeit später - je nach Hartnäckigkeit - in dieser Gemeinsamkeit wiederfinden, was auch gut und wichtig so ist, wäre ich doch sonst auf mich gelassen verlassen, hoffnungslos quälend, herumirrend in meiner eigenen Destruktion. Diese zerstörerische Kraft, die gar keine Kraft hat, gäbe es überhaupt nicht, wäre da nicht die Macht der Konstruktivität. Oder anders - und gleichsam wohl analogisch konkret - formuliert: Licht wirft keinen Schatten*.
[*Anmerkung: Ein Buch von Armin Risi (Link)]
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 1
Es gibt Gedanken und Geschichten und Dinge, die Menschen für sich behalten. Geheimnisse wäre ein umschreibender Begriff, der es nicht gut beschreibt, denn es muss schon viel sein, was man für sich behält, um daraus etwas zu basteln, das man einer neu ausgerufenen Krankheit mit illustren Namen zuschreibt. Ich schreibe das alles nicht, denn so etwas darf man nicht schreiben, man muss es sprechen. Meine treibenden Nicht-Wort-Gedanken driften dabei nicht zu wirklich ungewöhnlichen Schauspielen, die niemals nie jemand wissen darf, aus welchen Gründen auch immer. Es geht mir mehr oder weniger oder gänzlich nur um Banalitäten, die jeder mit sich herumschleppt und die - weil niemals nach außen getragen - einen gewissen Anspruch an Trivialität mit sich bringen. Ich denke an solche Sachen, die selbst bei den besten monogamen Beziehungsgeflechten und in den stillsten Momenten für bspw. ein gelungenes Betthupferl an den Lebensteiler getragen werden.
[Für die LeserInnen: Denkpause.]