(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 2

Genauigkeit liegt mir nur dann, wenn ein Spleen, den ich selbst entwickelt habe, mir es vorschreibt. Ich kann es daher nur meiner mir eigens einverleibten Oberflächlichkeit zuschreiben, wenn ich Dinge nicht finde. Mir liegt das abstrakte Suchen nicht, ich tue es lieber intuitiv. Instinkte habe ich dafür nicht, aber ein Etwas mit mir, das mir den Weg zeigt. Oft höre ich aufgrund meines Stur(un)sinns nicht darauf, darf mich wenige oder längere Zeit später - je nach Hartnäckigkeit - in dieser Gemeinsamkeit wiederfinden, was auch gut und wichtig so ist, wäre ich doch sonst auf mich gelassen verlassen, hoffnungslos quälend, herumirrend in meiner eigenen Destruktion. Diese zerstörerische Kraft, die gar keine Kraft hat, gäbe es überhaupt nicht, wäre da nicht die Macht der Konstruktivität. Oder anders - und gleichsam wohl analogisch konkret - formuliert: Licht wirft keinen Schatten*.
[*Anmerkung: Ein Buch von Armin Risi (Link)]

Heute Morgen musste ich eine erneute Erschütterung hinnehmen, die mich den ganzen Tag quälte - und wohl auch noch darüber hinaus. Körperlich konnte ich mich vom Himbeerstrauch verabschieden, doch das war so, als ob ich bereits eine kalte Leiche anfasste. Ich habe aus dem Gefühl, welches ich vom Mädesüß am Vortag empfing, gelernt und erinnerte mich an jenem Moment. Es half jetzt kein "Sich-Selbst-Ausreden" mehr, um die Erkenntnis zu verinnerlichen, die unweigerlich darauf hinauslief, dass das Leben aus meinem kleinen und über die Jahre lieb gewonnenen Wildstrauch schon entschlummert ist. Die Umwälzungen waren für es, respektive "sie", zu viel. Ändert man Gegebenheit, so schafft man neue. Zerstört man Gegebenheit, so zerstört man unweigerlich auch das Umfeld. Zerstörung hat nicht die Macht etwas zu erschaffen ohne etwas oder viel zu zerstören. Was nach der Zerstörung dann am Ort jener entsteht ruht auf keinem gesunden Fundament. Es muss schon Zeit ins Land vergehen, damit die angewandte Pseudo-Nicht-Kraft der Destruktion weicht, damit die schöpferische Konstruktivität sich auf ein Neues entfalten kann. Da Destruktion indes nur beim Menschen Anwendung findet, kann dies die Gemüter aller Unbeteiligten beruhigen, aber die Umstände nicht mildern. Die suggerierte Milderung von grundsätzlich Schlechtem dient jedoch nur der Abstraktion und ist dem Menschen und seiner Denke alleinig vorbehalten, Unterdes soll es dennoch vereinzelte Mitglieder unserer Spezies geben, die mit klarem empathischen Empfinden die Abgründe des Menschlichen ansprechen. Solche veranlagten Menschen sind leider nicht mehr in der uneingeschränkten Lage, sich von den Taten der verwirrt Anderslebenden dauerhaft abzugrenzen, indem sie mit allen Gefühlen erkennen, dass sie deren Anwesenheit nicht länger ertragen wollen. Für diese Menschen wäre der normale Weg die Entfernung, auch wenn es bedeuten würde, dass sie ihre sprichwörtlichen Zelte woanders aufschlagen müssten. Destruktionsbesessenen könnte man nur ändern, wenn man auf ihre Ebene abtaucht. Und wer will das schon? Illusorische Macht kann man nicht mit illusorischer Macht bekämpfen. Und auf einen Kampf liefe es in einer solchen Fiktion hinaus. Ein Schlachtfeld aufgebaut auf einer abstrakten Handlung kann nur tödlich sein. Konkrete Reaktionen auf falsche Handlungen sind indes zeitlich beschränkt und haben keinen Anspruch der Tötung. Fassbarkeiten durch bspw. Anschaulichkeit können jedoch für "ausgebildete Befähigte" der Unanschaubarkeit nicht direkt und im gesamtheitlichen Konsens nachvollzogen werden. Es ist wahrscheinlich, dass sie ihr Gemüt beruhigen, indem sie die bereits o. e. Milderung heranzitieren. Hier schließt sich der nahezu hoffnungslose Kreis. 

Es sollte offensichtlich sein, dass Pflanzenarten, die fest mit ihrer Umgebung verwurzelt sind, keine großartige Chance haben sich der zugesetzten Auslebung der blanken Zerstörung ernsthaft zu widersetzen. Sie können sie lediglich hinnehmen oder wenn es die Zeit zulässt, ähnliches versuchen, was ein empathisch veranlagter Mensch auch tun würde: zurückziehen. Mit gleicher Gesinnung tat exakt das - den Rückzug - wohl mein Himbeersträuchlein, so dass ich "sie" am heutigen Morgen nicht mehr oberflächlich ausfindig machen konnte. All ihre Kraft steckt jetzt in den Wurzeln und in der Hoffnung (begraben), dass diese Basis über die Zeit hinaus bestehen bleiben, dem Inferno tief im Erdreich trotzt.
Eine andere Art von Hoffnung kommt mir zuteil, denke ich an mein Mädesüß, dass selbst die Hoffnung schon mit dem Winde verweht hatte. Beide, "er" und "sie", haben die Gefahren frühzeitig erkannt und Taten folgen lassen, die ich nicht nur im Sinne des Selbsterhaltungstriebes lobenswert benennen will, sondern darüber hinaus höchst wertschätze. Ich hätte nicht besser vorgehen können. Nein, Korrektur: Ich hätte es sicherlich schlechter gemacht, bin doch auch ich zu sehr verblendet von dieser mir umgebenen Welt der Destruktionsidealisten, die hinter ihrer Fassade des Grauens ja nur Gutes im Sinn haben, obgleich das natürlich gar nicht geht, weil ihr Sinn ja schon weitentfernt von dualistischen Modellen wie Gut und Böse liegt. Doch sie stehen und gehen ja über jener Natürlichkeit, im Geiste, versteht sich, ideologisch hoch befähigt. Und ich, der vermeintlich Arme unter den Reichen, stecke da mitten drin, kann mich nicht winden und wenden und habe es schlichtweg zu ertragen. Es stimmt mich traurig, so seltsam und gefühlsdusselig es klingen mag.


      
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