(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

60 hours – Planlos an Mariä Himmelfahrt
Gundelsheim, Samstag, 15. August 2026 
(Afghanistan: Jahrestag der Machtübernahme der Taliban | Äquatorialguinea: Tag der Verfassung | Indien: Unabhängigkeitstag | Liechtenstein: Nationalfeiertag / Fürstenfest | Nord- und Südkorea: Nationaler Tag der Befreiung)

Exakt 24 Stunden liegen hinter mir. Ich muss dafür nicht einmal auf die Wanduhr schauen, denn das Läuten der Kirchturmglocken gepaart mit dem schwindenden Licht sind deutliche Vorzeichen in der Mitte von Augustmonaten, dass es demnächst dunkeln wird. Dazu kommen die bereits spürbar kühleren Lüfte und stetig abfallende Temperaturen. Wäre es hier nicht gerade eben windstill, würde ich glattweg eine kleine Spritztour mit meinem neuen Rad namens Jim wagen. Das ›Wohin‹ stünde außer Frage. Der nahegelegene (Zückshuter) Forst böte sich an. Im Speziellen kommt mir ein Hügel in den Sinn. Als Kind fuhr ich dort im Winter, wenn Schnee lag, immer Schlitten. Auch als Jugendlicher noch, dann natürlich ohne Begleitung von Erwachsenen. Später, den Kinderschuhen längst entwachsen, rodelte ich weiterhin bei jeder Gelegenheit, zugegeben nicht dort, aber stets in Entourage von Vierbeinern. Mit meinen zwei eigenen Hunden besuchte ich oft und gerne den besagten Hügel. An der höchsten Stelle stand eine Bank am Waldesrand, von der aus man bei klarem Himmel das Wahrzeichen der benachbarten Stadt Bamberg sehen konnte – die Altenburg; unterhalb dieser, keine 5 Gehminuten entfernt, wohnte ich einst sehr lange, an die 10 Jahre. Warum ich das alles erwähne, weiß ich nicht so recht. Vielleicht weil ich gerne meine Gedanken schweifen lasse und dabei von einer Sache zur anderen überdrifte, ohne vorher darüber nachzudenken, wie das auf einen wirkt, der mir zuhört oder das liest. Dazu kommt, dass ich mit dem Schreiben auf Papier so meine lieben Probleme habe. Ich bin es schlicht und ergreifend nicht mehr gewohnt, irgendwann schmerzt die Hand und ich verkürze Erzählungen. Dessen ungeachtet, wer mit mir (ab)driftet, vergiftet – oder kurz: Wer driftet, vergiftet. Für einen Aphorismus zweifelsfrei zu wenig und für einen Merksatz nicht gut genug. Obwohl, ›Wer rastet, der rostet‹ war ja auch nie ein geistiger Überflieger. Fürs Protokoll (– unnötige Einschübe hin oder her): Ich schreibe, wie schon beim letzten Digital Detox, klassisch mit dem Stift in der Hand. Eingesprochen wird erst hinterher. Mein kleines Buch von Claude Monet will gefüllt werden.* Alle Einträge bei der digitalen Entgiftung von vor fast genau einem Jahr ergaben lediglich 59 beschriftete Blätter, woraus spärliche 44 getackerte Seiten des – im obligaten 17x17-Zentimenterformat – Schundhefdlas #21 wurden. Zahlreiche Abbildungen machten es möglich und waren nötig. Und erneut verzettele ich mich und sehne, nein, sehe mich rhetorisch fragend nach dem ›Warum‹ und mein dabei, dass der arme Leser irgendwie einem leidtun kann. Meine Unfähigkeit, Dinge beim Namen zu nennen, ist sehr ausgeprägt. Eine gar klägliche Ausrede (oder Entschuldigung) wäre, meinen Hang zur Akribie anzuführen. Böse Zungen könnten meinen, dass ich schwätze. Doch verhält es sich nicht so, dass spöttische Lästerbacken stets die Debatte meiden und somit selbst Schwätzer sind? So gesehen bedarf es keiner Rechtfertigung. Beide Seiten können ihre konträren Standpunkte aushalten.
Fakt ist und bleibt, eine Spritztour mit dem Rad wäre deutlich besser gewesen, als diese paar Zeilen abzureißen. Es gibt ohnehin keinen triftigen Grund, weswegen ich in der Abgeschiedenheit des trauten Zuhauses schrieb und nicht auf der Bank am Hügel. Obzwar ich ja eine magere Aussage parat hätte: Es ist (die) Planlosigkeit; sie brillierte den Tag über und hat ergo alleinig die Schuld zu tragen. Folgenschwer stehe ich nun hier am Fensterbrett, getragen von Hoffnung, dass die wenigen hellen Minuten noch reichen werden, um diesen aussagelosen Eintrag zu beenden. Und dabei wollte ich noch so viel erzählen. Zum Beispiel, womit ich meine Zeit verdingte, auf was ich stolz bin, getan zu haben, in Angriff nahm und worin ich mich ausprobierte – mit guten Ergebnissen, mäßigen oder gar weit unter den eigenen Erwartungen liegenden.
Jetzt ist es dunkel und ich geh. Sprichwörtlich oder wirklich? Woher soll ich das wissen? Bleibe ich mir treu, bleibe ich planlos. Große Sprünge will ich heute nicht mehr wagen und welche zu erdenken, das scheint mir zu weit vorgegriffen (zu sein). Wenn ich meine eigenen Nebensätze nicht mehr deuten kann, ist allemal Feierabend angesagt. Die Glocken dürfen bimmeln. Ich bin bereit, beseelt mit einem Hauch von Zuversicht.

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* Ich schreibe natürlich nicht in einem Buch von Claude Monet. Monet war ein französischer Maler. Mit 86 Jahren wurde er sogar recht alt für die Zeit, in der er lebte (1840–1926).


      
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