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60 hours – Die ärgerliche Prophetie
Gundelsheim, Samstag, 16. August 2026 
(Türkei: Beginn der Gedenktage für Hadschi Bektasch)

Zwischenzeitlich ist es kurz nach halb 7. Die Kirchenglocken habe ich nicht (mehr) vernommen. Bei der ersten Tasse Kaffee war ich vertieft in meine tägliche Morgenlektüre, die seit über 2 Jahrzehnten aus einer Bibellosung der Herrnhuter Brüdergemeine besteht und sozusagen ein fester Bestandteil meines Lebens geworden ist. In diesem, wie auch im letzten Jahr (und im Jahr davor?) lese ich on top ›Leben ist mehr‹ (von der CLV Bielefeld) – eine Anthologie aus Tagesgedanken von (evangelisch-)gläubigen Christen, ein Buch für Anregungen von verschiedenen Personen, unter denen auch einige mir geläufige Autoren/Prediger sind; was sie eint, ist der Glaube an Jesus Christus.
Die heutige Niederschrift des Gesamtwerks öffnete ein ›Fenster zum frühen Christentum‹* und der Eintrag wurde als ein Mehrteiler konzipiert, dessen erste 6 Abschnitte – alle für sich alleinstehend (zu lesen) –, am Stück bis zum 22. August ›präsentiert‹ werden. Danach folgt eine Pause, ehe es zwischen dem 2. und 4. September mit den Teilen 7–9 weitergeht. Anschließend wird nochmals bis zum 8. September – Beginn der nächsten 3 Teile – pausiert, woraufhin wiederum eine Unterbrechung bis zum 16. September eingebracht wurde, an dem letztendlich die Teile 13–15 aufeinanderfolgend durchstarten.
Mein Fenster bleibt, wie das aus dem ›Impulsbuch‹ ebenfalls offen, möglicherweise den ganzen Tag und über die Nacht, mit Sicherheit aber nicht über die gesamte Laufzeit der Gedanken über die frühen (Juden-)Christen. In jedem Fall komme ich darauf zurück, denn eine Frage am Ende der ersten Abhandlung zu dem Themenschwerpunkt ließ mich tatsächlich ein wenig nachdenken, wie ich auf eine solche eine Antwort finden könnte.

Die Kirchturmglocken hörte ich im Übrigen beim Schreiben jener Zeilen; sie schlugen 3 Male hintereinander, was auf dreiviertel Sieben hindeutete. Sobald die Glocken erneut schlagen, werde ich wohl eine Schreibpause einlegen; nicht um den Schlaf zu finden, denn müde bin ich erstaunlicherweise nicht. Ich fühle mich so wach, als hätte ich bereits eine Kanne Kaffee geleert. Ein Katz- und Mausspiel mit dem Regen, der zweimalig wiederkehrte, bewog mich (ungewollt), bei klarem Verstand zu bleiben oder vielmehr diesen zwangsläufig in Rastlosigkeit zu finden. Fenster auf, Fenster zu. Regen hier, Regen weg. Ein Prosaist bin ich dadurch nicht geworden, was der Sache möglicherweise sogar dienlich ist. Ein Meer aus Worten, um die Beschaffenheit der 3 normalen und der 3 Dachfenster zu beschreiben, muss nicht durch(ge)schwommen werden. Da greife ich lieber auf einen Vergleich ab. Die Zeichentrickserie Tom & Jerry böte sich an. Der Regen stünde für die Maus, der Kater wäre ich.

Jetzt ist es viertel 8. Die Glocke schlug ein Mal. Jerry nervt. Soeben beendete ich meine 3. Runde im oberen Stockwerk, um die 6 Fenster abermals zu schließen. Wobei das im Detail nicht stimmt. Der Kern der Wahrheit spricht, dass es nun nur noch windelt und nieselt – leider beständig. Daher entschloss ich mich, die Fenster nicht komplett zu schließen. Die Kippstellung genügte. Einen Moment! Jerry ärgert mich auf ein Neues. Let met check t...

Wenn sich ein Prophet von seiner eigenen Prophezeiung bloßstellen lässt, sich ihr förmlich unterwirft, kann man festhalten, dass er seine Rolle als ein solcher noch nicht verinnerlicht hat. Eine steile These für die Umschreibung, dass mir Jerry auf den Senkel geht. Ich muss an meiner Langmut arbeiten. Andernfalls sehe ich mich an einem geschlossenen oder offenen Fenster stehen, um die deutsche Titelmelodie von Udo Jürgens zu besagter Zeichentrickserie zu summen, zu singen oder zu pfeifen. Wie es mir gerade gefällt.

Es schlug halb 8 und ich bin das Auf und Ab beziehungsweise das Auf und Zu, dem Hin und Her, mächtig überdrüssig. Ein kurz anhaltender Starkregen oder ein ergiebiger Landschauer, der nicht allzu lange währt, wäre mir bei Weitem lieber. Es ist ja nicht nur der Regen an sich. Ich befreie jetzt zum x-ten Mal meine Fenstersimse im Haupt- und Nebenzimmer von Regentropfen. Das ist eine tolle Beschäftigung, sofern einem langweilig ist.
Ich glaube, der Spuk sollte nun vorbei sein. Die ersten zarten Sonnenstrahlen suchen ihren Weg durch die Wolkendecke, auf dass ein neuer und warmer Tag anbrechen darf. Klingt doch schön, oder? Jedenfalls so lange, bis sich die aufgeheizte Atmosphäre es anders überlegt und mit ein wenig Pech ein örtliches Gewitter hervorruft. Die kommenden Stunden werden es zeigen. Mit etwas Glück behalte ich recht, kann mich brüsten mit meinen Vorhersagen und insbesondere kann ich mich dann darüber echauffieren, wie beschissen das Wetter mit uns spielt. Apropos und für eine bescheidene Annahme: Es schleicht sich in mir der vage Eindruck auf (oder ein), der zu einem neuen ›Kopfspiel‹ aufruft, an dem bitte jeder Mensch teilzunehmen hat; folgt man meinen (provokanten) Gedankenspiel (samt stillen Aufruf zum Ungehorsam), so muss die neue Parole ergo derart lauten: ›Wer hat Angst vorm Wetter?‹
Bedauerlicherweise dürfen ausschließlich Bipeden mitmachen. Die Vögel, auf ein Beispiel, haben bereits vor Stunden in Scharen die Flucht ergriffen. Drei Schwärme sah ich davonziehen; und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht aus (einer) Angst heraus agierten.

Es ist kurz vor 8 Uhr und meine dritte Tasse Kaffee wartet auf das Stundengeläut. Ich denke, ich lasse sie mal für ein paar Minuten alleine, denn ich muss Wasser lassen. Viel Kaffee fördert den Harndrang (und manchmal mehr).

___
* Fenster ins frühe Christentum (1) von Joachim Pletsch, nachzulesen im Internet unter diesem Link:
https://www.lebenistmehr.de/leben-ist-mehr.html?datum=16.08.2026.
      
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