›Das braune Etwas‹ war meine zweite Nachspeise. Heute gab es zu Mittag einfache Rohkostküche. Rote Paprika und rote getrocknete Tomaten mit meinen beiden selbstgemachten Aufstrichen [– Bild unter ›60 hours – Sorbet und Aufstriche‹ (zweites Foto)]. Ich erwähnte die Farbe der Tomaten nicht aus Versehen, sondern mit Absicht für diejenigen, die nicht wissen, dass die ursprünglichen Wildtomaten grün(-weißlich), stark behaart und ungenießbar bitter waren; alle anderen Facetten entstanden wohl durch Züchtungen. Oh ja, die Mikroevolution mittels Kreuzungen gleicher Arten haben wir Menschen über die paar Jahrtausende nach der Sintflut (nahezu) perfektioniert. Der letzte Satz darf gerne als ein Einschub betrachtet, überlesen und prompt vergessen werden, trotzdem besteht die Gefahr, dass ich in einem späteren Abschnitt darauf zurückkomme.
Mein erster ›Nachtisch‹ bestand aus Nüssen und ist nicht der Rede wert, denn als 80-prozentiger Rohköstler (Getränke ausgenommen) esse ich täglich recht viele Schalenfrüchte; zum einen als Eiweiß- und Proteinquelle und zum anderen um mein Gewicht zu halten. Auch dienen sie mir nach dem Krafttraining (Kieser-Methode) dazu, den Heilungsprozess der dadurch verursachten Mikromuskelrisse zu unterstützen. Überwiegend funktioniert das auch tadellos, sodass ich in den Trainingspausen selten so etwas wie einen verzögerten Muskelkater zu erleiden habe.
Zurück zur zweiten Nachspeise, über der ich soeben bin! Was ekelhaft aussieht, schmeckt eigentlich ganz gut. Ob es/sie dagegen wirklich lecker in seiner/ihrer Gesamtheit ist, würde ich andererseits weniger behaupten wollen. Neben Eiswürfeln schwimmen im Tumbler die Reste des bereits erwähnten (und im vorherigen Kapitel exakt derart abgelichteten) Sorbets [– siehe erstes Foto dort]. Unabhängig davon wirkt der dicklich braune Saft unter den ›Kühlelementen‹ tatsächlich genießbar und verliert so langsam seine sämige Konsistenz. Am Ende, da bin ich mir sicher, wird das Sorbet übrig bleiben und ich werde es genießen, wie ein Vegetarier sein Tiramisu oder der Allesfresser und Gaumenschmauser das Stracciatella-Eis mit einer ordentlichen Portion Schlagsahne drauf. Kinder, würde Jesus sagen, ich bin so froh, dass ich schon seit vielen Jahren (2012) abgestillt bin. Und diese beiläufige Bemerkung soll mir bitte niemand böse nehmen, denn ich esse nicht so, weil mir das die Sache mit der Moral vorschreibt oder die ethische Haltung es aufzeigt. Es ist mir völlig Banane, was oder wie andere Leute essen. Nun ja, über das ›Wie‹ könnte man eventuell diskutieren. Aber hey, wenn ich ausnahmsweise mal ›nur‹ vegan esse, dann muss ich prompt mein vorlautes ›Veto‹ zurückziehen, denn: Fufu [– eine traditionelle Speise aus West- und Zentralafrika –] isst man mit den Händen!
So – oder zurück zum Text –, was beinhaltet jetzt mein braunes Etwas? Das mag ich flott erklären, ich kann das auch: Circa ein Dutzend gelbe Mirabellen – und ja, es gibt auch rote –, eine Banane, eine (Gold-)Kiwi und einen Spritzer Kokoswasser. That’s it/was it. Interessanter ist die Verarbeitung, sie durchlief drei Phasen. Zuerst gingen die Zutaten durch den Entsafter, dann durfte der Blender (Mixer) herhalten und am Ende filterte ich die kalte ›Brühe‹ in das Kredenzglas. Klingt easy, ist allerdings in der Tat ein mittelgroßer Aufwand in der reinen Vorbereitung, über die Ausführung bis hin zum Abwasch. Gerade wegen Letzterem machte ich mir gleich noch einen zweiten Saft hinterher, wovon ich womöglich bereits vor ein paar Seiten erzählte – neudeutsch: es anteaserte. Ich will ihn mal den ›Großen Bruder‹ – unbekömmlicher wird es auf Englisch: Big Brother – nennen, währenddessen mich eine kleine Stubenfliege förmlich in den Wahnsinn treibt. Vielleicht, so denke ich mir, verwechselt sie mein braunes Etwas mit ihrem Geburtsort. Ein Kuhfladen wäre beispielsweise für Fliegenlarven ein idealer Ort; der Farbton würde ja fast stimmen. Um es kurz festzuhalten, zeigt uns mein unappetitlicher Vergleich, dass nicht alle tierischen Geschichten scheiße sind, obschon manche sich mit Fäkalien befassen. War das nicht ein versöhnlicher Satz? Ich meine ja und rufe zur Mahlzeit aus.