Das neue Geräusch in einer drückend heißen Sommernacht Mitte August des Jahres 2025 war dem Zirpen einer adulten und geschlechtsreifen Grille geschuldet, deren Anschauung darin bestand der holden Weiblichkeit zur fortgeschrittener Stunde ihre Motive zu vermitteln. Anfangs hielt ich die ständig wiederkehrende ›Melodie‹ für störend, schlief nichtsdestotrotz dabei ein und wachte kurze Zeit darauf erneut damit auf. Mein Polo-Shirt war aufgrund der drückenden Schwüle im Nackenbereich bis zum Kragenansatz von meinem eigenen aus-/abgesonderten Schweiß klatschnass – and the night was still young. Ein Blick auf die Wanduhr offenbarte mir nicht nur die Uhrzeit – es war 20 nach 1 –, sondern gleichfalls die Tatsache, dass mein Abdriften in die andere Form der Realität, zumindest dessen (gescheiterter) Versuch, nicht lange währte. Das potente Insekt kannte weder mich noch meine Probleme mit ihm. Sein ›Flirt-Konzert‹ sollte ungemein länger andauern und streckenweise deutlich an Intensität zunehmen, wie ich später feststellen musste. Unberührt davon entschied ich mich, meinen Schlafplatz von einem Zweisitzer-Sofa auf eine Matratze auf dem Boden zu verlegen. Rasch wurde mir jedoch klar, dass das ein teures Unterfangen werden könnte, eines, welches mir am nächsten Morgen, und weit in den Tag hinein, ein körperliches Unbehagen abverlangen würde. Die Matratze war für den harten Boden zu dünn für einen Menschen wie mich, der sich durch Annehmlichkeiten der zivilisierten Welt verweichlichen ließ. Es bedurfte einer anderen Lösung, wollte ich nicht mit Gliederschmerzen aufwachen und die Hälfte eines Tages mit selbigen zubringen.
Für eine gewisse, ungeklärte Zeit blickte ich aus dem Fenster in die rabenschwarze Finsternis und ›lauschte‹ der Störkulisse. Als ich so vor mich hin- und herüberlegte, ob ich mir eine Zigarette anstecken sollte, kam eine längst vergessene Erinnerung in mir hoch. Flott wie Lava aus einer ausgebrochenen Caldera ergoss sich eine absurde Idee in mir. Handeln ersetzte das Denken, und ich wurde zum stillen Beobachter meines (eigenen) Tuns. Vor etwa einer Dekade, ... nein, vor einem Dutzend von Jahren hätte ich mein Vorgehen nicht für eine Sekunde angezweifelt. Heute hinterfragte ich es hart und tat es dennoch. Damals schien es einer Selbstverständlichkeit nachzukommen, in jener Nacht und im schlaftrunkenen Zustand fühlte ich mich indes wie ein unfreiwilliger Zeuge, der sich wünschte im Moment des eigenen Treibens an einem anderen, einem weit entfernten Ort zu weilen. Am Ende des ›Umgestaltungsaktes‹ lag ich jedenfalls am unteren Fußende einer ausgezogenen Couch. Nicht längs, sondern quer. Unter mir die Matratze, die Sitzfläche des Sofas und dessen Lattenrost. Mit dem Kopf zum Fenster kauerte ich meinen Körper in eine halbe Embryonalstellung ein, sodass meine Beine und Füße ihren Platz auf der hergerichteten und angenehm weichen ›Liegewiese‹ fanden. Befreit vom Polo-Hemd, bekleidet lediglich mit einer kurzen Hose schlief ich binnen weniger Minuten ein – begleitet mit dem neuen Geräusch der Dunkelheit.
Willkommen im untersten ontologischen Stockwerk. Wahrheit traf auf Schwere. Die Zeilen waren weitestgehend unterirdisch, um nicht zu sagen: erbärmlich.
