(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 4

Heute bei der Stippvisite am östlichen Teil des Schlachtfelds kamen gar sonderliche Gedanken in mir hoch, die sich in einer jugendlichen Metapher fassen können - Vorsicht! Ich wiederhole meine laut geäußerten Gedanken jetzt vorbehaltlos: "Das ist ja schlimmer als Hitler!" Das sind fremde Worte, die ich mir so nie zusammenreimte und lediglich mal aufschnappte und in dem damaligen Moment, bei der ersten und einzigen Hingabe, als frisch und erheiternd empfand. Doch ehe das sprunghaft kommende Amüsement meinerseits seine Vollendung in zuckenden Mundwinkeln seinerzeit fand, setze die Beherrschung ein, die mir klar machte, dass das eben Gehörte zwar durchaus, und bei aller Oberflächlichkeit, einen gewissen Schmunzeleffekt bewirkte, dennoch in seiner Gesamtheit zutiefst widerlich erscheint. Nicht unbedingt der Worte wegen, sondern der Gesinnung, die man dahinter vermuten kann. Der jugendliche Sprachstilismus kann eine Metaebene erreichen, zu der ein Erwachsener nie fähig wäre, gerade weil er vielleicht ein wenig mehr Tiefgang besitzt. Man spürt so dann den faden Beigeschmack, den die Geschichte mit sich bringt, die man vielleicht etwas eindrücklicher kennt, als das junge Gegenüber. Die Folge ist dieses Ekelgefühl, das sich breit macht und sich festsetzt. Mit anderen Worten: Als ich das Ausmaß der Zerstörungsgefühllosigkeit zwischen Himbeerstrauch und Mädesüß in seiner Gesamtheit aus der Ferne erkannte, musste ich mir eingestehen, dass dieser Satz mehr Gefühl mit sich bringt als alles Dargeboten. 

["Bitte diese Feststellung nochmals überdenken", so lautete eine Randnotiz für mich während des Aufsprechens in das Diktiergerät. Danach folgte eine lange Phase der Stille, ehe ich wie folgt fortsetzte:] 
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 3

Es gibt das Klischee, dass die arbeitenden Bevölkerung - malochend in einer Wohlstands-5-Tages-Woche -, dazu neigt, den Montag nach einem ereignisreichen oder eher ausgefüllten Wochenende zu verdammen. Pfeifend schleicht sich der in Lohn/Gehalt und Brot stehende Unselbstständige mit dem Liedlein "Tell me why I don't like Mondays" zum Ort des Schaffens, was auch immer er schafft und welchem Klischee er sich dabei auch immer bedient, es ist das kitschigste aller, das überhaupt nichts mit Kunst - mit Lebenskunst! - zu tun hat. Kundera (-, Milan -) schrieb zum Kitsch mal, das er - der Kitsch - die absolute Vereinigung der Scheiße ist, im wörtlichen, wie im übertragenen Sinne. Er benennt im Zusammenhang die Verkennung des ursprünglichen Wortsinns, wonach der Begriff Kitsch in seiner metaphysischen Bedeutung verwischt wurde. Den Wortlaut bekomme ich auswendig nicht hin, aber es stammt aus seinem - meiner "Meinung" nach - besten Werk, dem einzige, das ich auch kenne: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins*.
[* Carl Hanser Verlag, 1984. Buch-Nr. 100106, Seite 326 ff.] 
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 2

Genauigkeit liegt mir nur dann, wenn ein Spleen, den ich selbst entwickelt habe, mir es vorschreibt. Ich kann es daher nur meiner mir eigens einverleibten Oberflächlichkeit zuschreiben, wenn ich Dinge nicht finde. Mir liegt das abstrakte Suchen nicht, ich tue es lieber intuitiv. Instinkte habe ich dafür nicht, aber ein Etwas mit mir, das mir den Weg zeigt. Oft höre ich aufgrund meines Stur(un)sinns nicht darauf, darf mich wenige oder längere Zeit später - je nach Hartnäckigkeit - in dieser Gemeinsamkeit wiederfinden, was auch gut und wichtig so ist, wäre ich doch sonst auf mich gelassen verlassen, hoffnungslos quälend, herumirrend in meiner eigenen Destruktion. Diese zerstörerische Kraft, die gar keine Kraft hat, gäbe es überhaupt nicht, wäre da nicht die Macht der Konstruktivität. Oder anders - und gleichsam wohl analogisch konkret - formuliert: Licht wirft keinen Schatten*.
[*Anmerkung: Ein Buch von Armin Risi (Link)]
Vom Mädesüß und Himbeerstrauch, Teil 1
Es gibt Gedanken und Geschichten und Dinge, die Menschen für sich behalten. Geheimnisse wäre ein umschreibender Begriff, der es nicht gut beschreibt, denn es muss schon viel sein, was man für sich behält, um daraus etwas zu basteln, das man einer neu ausgerufenen Krankheit mit illustren Namen zuschreibt. Ich schreibe das alles nicht, denn so etwas darf man nicht schreiben, man muss es sprechen. Meine treibenden Nicht-Wort-Gedanken driften dabei nicht zu wirklich ungewöhnlichen Schauspielen, die niemals nie jemand wissen darf, aus welchen Gründen auch immer. Es geht mir mehr oder weniger oder gänzlich nur um Banalitäten, die jeder mit sich herumschleppt und die - weil niemals nach außen getragen - einen gewissen Anspruch an Trivialität mit sich bringen. Ich denke an solche Sachen, die selbst bei den besten monogamen Beziehungsgeflechten und in den stillsten Momenten für bspw. ein gelungenes Betthupferl an den Lebensteiler getragen werden.
[Für die LeserInnen: Denkpause.]
[interloúdio] Banausīe
Am 11. Tag im Julmond unterlief mir ein schriftlicher Fauxpas, den ich im ersten Gedanken auf die digitale Schnelllebigkeit, insbesondere in der Korrespondenz - der schriftlichen - schiebe. Solche Fehlgriffe in der Wortwahl passieren pausenlos, und manchmal trifft es auch mich. Sehr oft sogar, doch niemand überdenkt offensichtlich meine geschriebenen Worte und überliest es, lässt es unerwähnt oder weiß schlichtweg nichts von der Falschheit. Ich spreche von bestimmten Worten, die im Gesamtkonzept einfach nicht richtig gewählt wurden. 
Geschlecht in allen Sinnen
Meine letzte Erzählung aus den Worten ruht nun schon zu lange vor sich und alleine herum. Mein nach Außen zerstreut wirkender Kopf ist oftmals tatsächlich das, was er vorgibt zu sein. Es gibt nur wenige Momente in einer Stille der gesamten Existenz, wo er sich über die wirklich wichtigen Dinge eines Menschlebens und des Seins im Großen und Ganzen oder vielmehr in den kleinen Details philosophische Lautsprech- oder gar Bildergedanken machen kann. Ansonsten ruht dieser Geist, den ich in der Gesamtheit als meinen nicht ansehen will und es doch nicht leugnen kann, ... ja, er ruht, um es in den geringsten aller Wort unzutreffend auszudrücken. Selbst wenn vieles, was ich in dieses Sprechrohr puste, mit Lautsprache in Worten, irgendetwas anderes bei einem fremden Geist zum Ausdruck bringen mag, so bin ich doch beschämt über all das Triviale, das zwischen ein paar wenigen klugen Sätzen ruht. Denn auch das ruht und ist nicht mehr oder weniger Wert als ein Sein, das zu selten mit ruhendem Geist lebt. Es ist nur ein Beleg für schwammige Äußerungen gepresst in Buchstaben einer Sprache, die ebenso nichts wert ist, um für sie einzustehen. Diese Sprache kann nichts anderes als ruhen. Und so scheint es klar zu sein, warum die meisten Köpfe in einer Zerstreuung ruhen.