Wenn es gleich 12 Uhr schlägt und die Sonne noch eine Stunde auf sich warten lässt, bis sie den Zenit erreicht, dann weiß man eines gewiss: es ist mal wieder (und immer noch) ›Falschzeit‹. Jüngst wurde mir klar vor Augen (geführt), dass im Jahr meiner Zeugung noch kein Unterschied zwischen Winter- und Sommerzeit gemacht wurde. Es gab lediglich die eine, die richtige Zeit; ich bezeichne sie gerne als ›Normalzeit‹, der Rest verflucht sie unter dem Begriff ›Winterzeit‹.
Wie auch immer, just läuten die Glocken und wollen partout mit ihrem Gebimmel nicht aufhören. Wird da gar wieder eine Sonntagsmesse der Katholiken gefeiert? Ach nö, nu ist der Spuk vorbei – zu früh gelästert? Nein! Das war nicht Lästern, das war eine Frage zur Feststellung. Fakt ist, ich kann nun endlich fortfahren mit meiner eigenen Predigt. Der Arbeitstitel soll lauten: ›Von guten und mäßigen Ergebnissen‹ – die tatsächliche Überschrift wird anders ausfallen (und steht oben). Es soll um Dinge gehen, in denen ich mich ausprobierte [vgl. Kap. 2]. Das Bild oben zeigt ein formidables Resultat von einem schwimmenden Sorbet in Hafer- und Kokoswasser. Das schwer zu erkennende Teilchen wurde aus Mango, Banane, Datteln und einem Schuss Zitrone fabriziert. Es ist mir ganz hervorragend gelungen, so erstaunlich gut, dass ich die Hälfte einfror – und zu meiner Verwunderung mundete das sogar noch wesentlich besser [siehe mehr im nächsten Kapitel namens (Spoiler?) ›Das braune Etwas‹]. Leider war mein gestriges Tagwerk damit noch nicht vollendet. Ich hätte enden sollen, denn der Rest war, nun ja ..., er war existent nach der Fertigstellung. An meinem Blender lag es nicht, möglicherweise auch nicht an den Zutaten. Das Zubereiten von würzigen Aufstrichen gelingt mir meistens problemlos, sodass sie mir jedenfalls schmecken. Überwiegend sind sie feurig scharf; diesmal entschied ich mich, zwei Gläschen zu machen, ein mildes und eines, das einen in Wallung bringt. Dafür verwendete ich für beide Varianten rote Paprika, ein paar Kirschtomaten, unterschiedliche Nüsse, eine kleine chinesische Knoblauchzehe und eine Vielzahl von Gewürzen. Ein erstes Tasting zeugte von einem mächtigen Unterschied. Kein Wunder, denn in die ›Spicy-Paste‹ kam on top noch so allerlei Zeugs, wie beispielsweise getrocknete rote Mini-Chilis, die ich kürzlich in einem Russenmarkt erwarb; oder eine Kräutermischung, die mir vor einigen Monaten in einem Feinkostladen in Leipzig vom hiesigen Verkäufer empfohlen wurde und beileibe hielt, was er seinerzeit versprach. Um es abzukürzen muss ich nicht erwähnen, dass das Ding ordentlich ›Dampf im Kessel‹ hat und dabei sehr ehrlich daherkommt, was sich so darstellt, dass man sofort die pikante Note herausschmeckt, ehe es in eine beinahe sanfte Harmlosigkeit übergeht – ein wahrlich tückisches Unterfangen, weil man versucht ist, gleich nochmals einen Teelöffel zu verköstigen.
Unter den eigenen Vorstellung blieb leider meine Creme aus ungeschälten Erdnüssen und Haselnüssen aus der Türkei, obgleich ich im Vorfeld extrem viel Aufwand betrieb, gerade mit den fındıklar, die noch von ihren harten Schalen getrennt werden mussten; und um eine Haselnuss richtig zu knacken, benötigt es mit dem falschen Werkzeug eine gewisse Technik, die man allerdings mit ein wenig Übung schnell drauf hat. Da dies nicht mein erster Gehversuch in die Richtung war, geht mir mein Fazit leicht über die Lippen: Ich kann einfach keine süßen Aufstriche basteln. Lediglich ein einziges Mal gelang es mir, einen leckeren Dattelsirup zu kreieren. Alle anderen Resultate waren entweder zu salzig oder zu süß; das kümmerliche Teil von gestern misslang mir derart miserabel, dass ich nicht einmal einschätzen kann, ob es zu viel Süße abbekam oder schlicht und ergreifend versalzen wurde.
Heute, also unmittelbar bevor ich jenen Eintrag zu Blatte brachte – denn er ist gleich zu Ende –, spielte ich ein wenig mit dem Entsafter herum, um zwei unterschiedliche Getränke zu zaubern; einen kleinen Durstlöscher mit rund 250 Milliliter und ein großen mit circa einen halben Liter. Eventuell und vielleicht später mehr dazu.