Exakt 24 Stunden liegen hinter mir. Ich muss dafür nicht einmal auf die Wanduhr schauen, denn das Läuten der Kirchturmglocken gepaart mit dem schwindenden Licht sind deutliche Vorzeichen in der Mitte von Augustmonaten, dass es demnächst dunkeln wird. Dazu kommen die bereits spürbar kühleren Lüfte und stetig abfallende Temperaturen. Wäre es hier nicht gerade eben windstill, würde ich glattweg eine kleine Spritztour mit meinem neuen Rad namens Jim wagen. Das ›Wohin‹ stünde außer Frage. Der nahegelegene (Zückshuter) Forst böte sich an. Im Speziellen kommt mir ein Hügel in den Sinn. Als Kind fuhr ich dort im Winter, wenn Schnee lag, immer Schlitten. Auch als Jugendlicher noch, dann natürlich ohne Begleitung von Erwachsenen. Später, den Kinderschuhen längst entwachsen, rodelte ich weiterhin bei jeder Gelegenheit, zugegeben nicht dort, aber stets in Entourage von Vierbeinern. Mit meinen zwei eigenen Hunden besuchte ich oft und gerne den besagten Hügel. An der höchsten Stelle stand eine Bank am Waldesrand, von der aus man bei klarem Himmel das Wahrzeichen der benachbarten Stadt Bamberg sehen konnte – die Altenburg; unterhalb dieser, keine 5 Gehminuten entfernt, wohnte ich einst sehr lange, an die 10 Jahre. Warum ich das alles erwähne, weiß ich nicht so recht. Vielleicht weil ich gerne meine Gedanken schweifen lasse und dabei von einer Sache zur anderen überdrifte, ohne vorher darüber nachzudenken, wie das auf einen wirkt, der mir zuhört oder das liest. Dazu kommt, dass ich mit dem Schreiben auf Papier so meine lieben Probleme habe. Ich bin es schlicht und ergreifend nicht mehr gewohnt, irgendwann schmerzt die Hand und ich verkürze Erzählungen. Dessen ungeachtet, wer mit mir (ab)driftet, vergiftet – oder kurz: Wer driftet, vergiftet. Für einen Aphorismus zweifelsfrei zu wenig und für einen Merksatz nicht gut genug. Obwohl, ›Wer rastet, der rostet‹ war ja auch nie ein geistiger Überflieger. Fürs Protokoll (– unnötige Einschübe hin oder her): Ich schreibe, wie schon beim letzten Digital Detox, klassisch mit dem Stift in der Hand. Eingesprochen wird erst hinterher. Mein kleines Buch von Claude Monet will gefüllt werden.* Alle Einträge bei der digitalen Entgiftung von vor fast genau einem Jahr ergaben lediglich 59 beschriftete Blätter, woraus spärliche 44 getackerte Seiten des – im obligaten 17x17-Zentimenterformat – Schundhefdlas #21 wurden. Zahlreiche Abbildungen machten es möglich und waren nötig. Und erneut verzettele ich mich und sehne, nein, sehe mich rhetorisch fragend nach dem ›Warum‹ und mein dabei, dass der arme Leser irgendwie einem leidtun kann. Meine Unfähigkeit, Dinge beim Namen zu nennen, ist sehr ausgeprägt. Eine gar klägliche Ausrede (oder Entschuldigung) wäre, meinen Hang zur Akribie anzuführen. Böse Zungen könnten meinen, dass ich schwätze. Doch verhält es sich nicht so, dass spöttische Lästerbacken stets die Debatte meiden und somit selbst Schwätzer sind? So gesehen bedarf es keiner Rechtfertigung. Beide Seiten können ihre konträren Standpunkte aushalten.
