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60 hours – Die prophetische Ader
Gundelsheim, Sonntag, 16. August 2026 
(Dominikanische Republik: Tag der Wiederherstellung / Día de la Restauración)

Es ist zwanzig nach 5 (Uhr). Ich bin wach. Zum Schlaf fand ich kaum. Wie schon vor einem Jahr, bei meinem ersten Digital Detox, trat ich die Flucht von der Couch auf den Fußboden an. Die Hitze zwang mich dazu. Es musste so um halb 3 gewesen sein. Auf dem Parkett verweilte ich dann für circa 2 Stunden. Ehe ich mich wieder (auf) ins (erhöhte) ›Bett‹ begab, kam ich zu dem Schluss, es vorher auszuziehen. Zur Erklärung sollte ich erwähnen, dass ich seit Anfang Juli stolzer Besitzer eines neuen Rückzugsortes in Form von einem L-förmigen (Eck-)Sofa bin, dessen ›L‹ verschwindet, wenn man es prachtvoll zur vollen Größe ausfährt. Diese Anschaffung war überfällig und brachte mit sich eine gewaltige Erhöhung meiner Lebensqualität, an der sich so schnell nichts wohl ändern wird.
Wie dem auch sei, es ist nun fast halb 6 am anbrechenden Morgen, sofern man schon von einem Morgen sprechen kann. Es düstert noch. Die Nacht kämpft in ihren letzten Zügen. Aber keine Sorge. Es ist zu früh für mich, um den Zustand von dunkel auf hell an der Stelle näher zu beleuchten. Festzuhalten ist indes: Ohne Straßenlaternen wäre es weitaus finsterer.
Nach einer kleinen Schreibpause gibt mir die Wanduhr eine neue Zeit vor. Angeblich ist es 10 vor 6 – und ich habe mir einzugestehen: Ich bin ein Prophet! Ja, kein Witz. Gestern, kurz vor Mitternacht, als ich auf eine abschließende Zigarette am offenen Fenster stand, um mich auf mein obligatorisches Abendgebet vorzubereiten – erneut kein Scherz, das mache ich seit vielen Jahren so –, dachte ich mir bei der Betrachtung des Himmels, das es wohl regnen wird. Dagegen schloss ich ein aufziehendes Gewitter aus. Bislang blitzt und donnert es nicht, kein Wetterleuchten ist in Sicht, doch geregnet, zumindest genieselt, hat es offenbar – irgendwann während meiner kurzen Schlafphasen. Von daher bleibe ich dabei: In mir muss mitunter eine prophetische Ader schlummern. Eine poetische Veranlagung käme mir für die Schaffenskraft zwar gerade deutlich mehr entgegen oder gelegen; allerdings will ich mich nicht beschweren, denn so habe ich eine Ausrede, um die Sache mit der ›Mini-Propheten-Rolle‹ unbeachtet zu lassen, sie sozusagen als eine unbedachte – obgleich ursprünglich handschriftlich niedergeschriebene – Äußerung abzutun. Kein Prophet fragt je oder jäh, quasi niemals, (ein) ›Was geht?‹.

Das Läuten der Kirchenglocken erzählt mir von der neuen Uhrzeit. Meine stillen Überlegungen, ob ich wach bleiben sollte (oder eben nicht), sind zu einem Abschluss gekommen. Ich koche mir jetzt Kaffee (auf), auf das(s) damit ich poetischer werde. Will ich in Prosa schreiben, brauche ich einen gestärkten Geist und eine gesteigerte Fähigkeit zur Konzentration. Koffein kommt mir da ganz recht, so bilde ich es mir ein. Tatsächlich weiß ich von der Macht der psychologischen Komponente, die beim Genuss eines Heißgetränks entsteht. Kalter Matcha fetzt später und länger und dennoch weniger (sic!).
      
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