Der zweite neue Nachmittag verdient eigentlich keine Erwähnung, und ich sollte diesen Eintrag gleichermaßen kurz halten wie die Titelei (namens) ›Der 2. neue Tag‹, was – Spoiler Alert – nicht passieren wird. Drei Tage sind seither verstrichen und ich falle langsam wieder in alte Muster. Dank der Umstellung meiner Ernährung auf vegane Rohkost – Getränke bedingungslos ausgenommen – fühle ich jedoch weiterhin ein enorm gesteigertes Energiepotential in mir brodeln, das überhaupt dafür sorgt die vor mir liegenden spärlichen Zeilen nach einem ›9-to-5½-Arbeitstag‹ anzugehen. Bedauerlicherweise zog ich das Büchlein viel zu spät aus seinem hübschen, handgemachten ›Beutel‹ hervor, und ich spüre wie die verbliebene ›Hellzeit‹ zu schwächeln beginnt; sie löst sich recht bald in die bevorstehende Finsternis auf. Apropos Beutel. Wir müssen darüber sprechen. Respektive ich. Selbst wenn das heißt: Schreiben, bis die Hand abfällt. (I hope you remember.)
Leider kann ich mich heute nicht mehr entsinnen, ob ich zu jenem Schmuckstück bereits nähere Angaben machte, auch zum schönen Buch (an sich) und wem ich es zu verdanken habe, es in meinem Besitz zu wissen. Vor allem aber zu dem gestrickten oder gehäkelten ›Einband‹ – ich bin zu meiner Schande und in der Hinsicht ein dummer und einfältiger Mann, der den Unterschied nicht kennt –, verlangt es einige Worte, eine ›Beutelgeschichte‹ sozusagen.
Zwei Farben und Garne (+ hoffentlich ohne Beimischung jeglicher tierischer Wolle) wurden verwendet. Braun scheint der Hauptton zu sein. Ein hellblauer, in einem Türkis übergehender Stoff wurde für die aufgezeigten Motive verwendet, die durch den Kontrast sofort ins Auge stechen und obendrein das Herz eines Trekkies instantly verzaubern. Auf der einen Seite sieht man einen Federation Communicator und die andere zeigt das Emblem des Klingon Empires. Die weiland junge Frau, die es mir einst zu meinem Geburtstag schenkte – und dabei wusste, dass ich von Wiegenfesten nichts halte! –, hatte sich ihren Ehrenplatz in meinem Inneren nicht erschlichen, sondern sich ihn auf etlichen Ebenen hingebungsvoll verdient. So mochten beispielsweise meine beiden Hündinnen meine verflossene Bekanntschaft fast mehr als mich – und zwar in dem Maße, dass es einer Einmaligkeit nachkam. Ich hätte wohl damals auf die Vierbeiner hören sollen. Gegenwärtig bräuchte – nicht brauche! – ich keinen stillen (oder lauten) Hinweis mehr, den ich seinerzeit derart geflissentlich ignorierte. Ich war, erwiesener Weise, ein Narr. Nein, kein Narr – ein jämmerlicher Fool war ich, ein Angsthase, wie er im Buch(e) steht. Zu dem Moment, als aus der Liebschaft, der Liaison, etwas Tieferes, ein vielfach Ernsteres, im Entstehen war, zog ich mich Stück für Stück zurück, und nicht nur räumlich beziehungsweise körperlich. Insbesondere gedanklich nahm ich Abstand, langsam und doch stetig. Selbstverständlich spürte sie das auch und schreckte nicht davon ab, es offen und ehrlich anzusprechen. Idioten, wie ich es (vormals) einer war (oder potentiell noch bin), kennen die Tragweite unangenehmer Gespräche und müssen währenddessen nicht passende Antworten finden oder erfinden. Or, to try it in English: A moron with smugness is pretty familiar with such kind of conversations and is always capable of finding a mindless solution. Eine Herangehensweise – die billigste von allen – ist es, Fragen stets mit Gegenfragen zu kontern. Die Welt ist übersät mit solchen Männern, die dem Bedeutungsvollen unbekümmert entgegenstehen. Glaubt man nicht? Echt? Wirklich? Es ist dennoch so. Unfortunately. Believe me! Interviewt man Frauen, die derartige Exemplare mitsamt ihrer Bedeutungslosigkeit geehelicht haben und nun auf das ›bis der Tod uns scheide‹ geduldig warten, erhält man gegebenenfalls die Bestätigung meiner schäbigen These. However, für eben die Sorte von maskulinen Gestalten ist das alles lediglich ein Spiel, a game, bei dem von Beginn an die Frau als Gewinnerin feststeht, zumindest und at least als gefühlte Siegerin. Es muss so sein. Der Vollpfosten-Spacko zieht darauf ab. Er verliert absichtlich. Er ist kein Laie, kein Anfänger, kein Stümper – obwohl es so vorkommen mag – und beileibe ist sein Rollenbild nicht das eines Pfuschers. Er weiß was er tut und heuchelt förmlich nach der Arschkarte. Mit glattem Rot – besser mit Glutrot – will er vom Feld ziehen. Gelb-Rot ist akzeptabel, ab und an und von Fall zu Fall, hingegen eine Zeitstrafe einer Demütigung gleichkäme. Der Abgang der Gnädigen hat triumphal zu erfolgen, mit erhobenem Haupt, als strahlende Größe und in Form einer heldenhaften Bezwingerin des Mannes. Geradezu perfekt läuft es für den frisch Getrennten, den angeblich Unterlegten, wenn sie ihn nicht in den Katakomben sucht und für immer und ewig vergisst und aus ihrem Leben streicht. Jener Narr, der sich vor festen Bindungen so standhaft drückt, hegt den Wunsch, dass die Frau gestärkt aus der Beziehung/Verbindung hervor- oder herausgeht. Sie soll ihm ja keine – nicht mal eine einzige – Träne nachweinen. Und weil dieser Typus von Mann, dem ich – das sollte mittlerweile klar sein – ebenfalls irgendwie, irgendwo und gelegentlich zu irgendeinem Wann angehöre, das ein derartiges Individuum sich früher als gedacht als ein ausgemachter Feigling entpuppt, bevorzugt das kleine Etwas von Mensch das Spiel mit verdeckten Karten. Sein Blatt ist und bleibt in aller Zeiten fest in seiner Hand und wird nie offen auf den Tisch gelegt. Die Rolle als ein emotionales Nichts aus dem Leben und den Gedanken von ehemals Geliebten zu entscheiden ist seine Favorisierte, darin ist er konkurrenzlos meisterhaft. In seiner Einbildung verfangen, ist er hartnäckig davon überzeugt, dass seine stählerne Persönlichkeit in der Lage ist, brennendem Schmerz problemlos auszuhalten. Tatsächlich ist ihm, dem unausgegorenen Chauvinisten, nicht bewusst, wie stark Frauen sind oder sein können, wenn es darauf ankommt. Und ja, ich komme später und an anderer Stelle gewissermaßen darauf zurück. Der Lauterkeit ist hiermit vorerst genüge getan.


Kommentar veröffentlichen
Welche Farbe schwingt dein Wort?
F()↳9€ ↙dem↘
© 9[-d/-\n|‹e|\| 7_|_|r N/-\c|-|t|´u|-| (-;-)