(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

Früher war alles besser!?
Das werden sich einige denken, die heute erwachsen sind. Erinnert man sich nicht zwangsläufig jedes Jahr wieder, wie denn die Weihnacht so früher war? Vielleicht auch früher, in der Illusionswelt im Kindesalter?
Früher war alles besser!? Mit Kinderaugen sieht die Welt ganz anders aus...

Meine Gedanken schweifen zumindest heute nicht dahin ab, sondern beschäftigen sich mit der illusorischen Frage, wie ein bestimmtes Gebiet den früher aussah. Es ist für mich speziell als Hundeauslauf nach wie vor eine traumhafte Gegend bzw. viel mehr kann es auch nicht sein als eben das, da ich nicht weiß, wie es früher einmal aussah.
 
Abgesehen von den beiden Rennstraßen, die diese idyllische Landschaft heute östlich wie westlich eingrenzt - und der damit verbundenen Stör-Kulisse -, wird der Besucher eine völlig differenzierte Flora und Fauna erkennen, die sich gänzlich von der einheitlich Gegebenen abgrenzt, und das obgleich dort auch nicht andere Gewächse anzutreffen sind als üblich.

Obs an der sandigen Landschaft oder an den zahlreich hochgewachsenen Nadelbäumen liegen mag, vielleicht aber auch an den kleinen Beitrag dazu, der vom angrenzende Reiterhof geleistet wurde ... ich weiß es nicht.

Meine Worte sind immer die gleichen: "Es ist ein Ort in Deutschland, der im Sommer sich so anschaut, als ob man in Texas wäre - und auch auf einen so wirkt, ob man will oder nicht."
Eine völlig andere Welt in die man eintauchen darf, so, wenn man denn will.

Und so traf ich auf einen meiner zahlreichen Spaziergänge vor kurzem einen älteren Mann. Einen Herren, der die Landschaft noch kannte bevor sie von Menschenhand auf ein Minimum reduziert wurde.

Schuld daran tragen die übergroßen Kaninchenbauten, in denen selbst noch ein staatlicher Hase problemlos Einzug halten könnte. Es sind die größten Bauten, die ich je zuvor gesehen habe, mal ganz abgesehen von der Vielzahl derer, die es - in Hundenasen gesehen - zu erriechen gibt. Ich denke, selbst ein Fuchs würde nicht abgeneigt sein, dort einen Unterschlupf zu finden.

Ferner denke ich, dass es Menschen geben muss, denen daran gesinnt ist, die Natürlichkeit zu erhalten. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie es zustande gekommen sein mag, dass an Totholz Zweige und Äste so gelungen angebracht wurden, das der zahlreichen Kaninchenschar weitere Unterschlupfmöglichkeiten geboten wurden, die es selbstverständlich ebenfalls für die Hunde zu erkunden gibt.

Das Vogelnaturschutzgebiet bietet für meine Augen keine Vögel, ob fliegend oder in den Sommermonaten brütend am Boden. Aber wie mir der alte Mann erzählte manchmal einen Falkner, der sich mit seinen auf die Kaninchenjagd spezialisierten geflügelten Kameraden dort von Zeit zu Zeit sehen lässt. Gesehen hab ich ihn aber noch nie, auch nie einen Menschen, der den Kaninchen Bauten errichtet.
Aber es muss sie geben. Ich kann es mir gut vorstellen.

Auslöser des Gespräches mit dem alten Mann waren zumindest optisch nicht wirklich einladende Eindrücke ganz in der Nähe eines der Karnickelbauten. Kadaverüberreste. Genauer gesagt Eingeweide, zu große Eingeweide als das sie von Kaninchen stammen könnten. Auch dem Herren mit kleinen dackelähnlichen Hund kamen sie zu groß vor. Den drei Hunden auf der anderen Seite äußerst interessant. Der Verzehr wurde ihnen von beiden Menschen vehement verweigert.
Die Frage des Ursprungs konnte nicht geklärt werden. Und so gingen wir wieder unserer Wege, er rechts herum, ich links um das Waldstück.

Nur kurze Zeit später kreuzten wir uns wieder. Und er kam auf mich zu und sprach: "Ich glaube da hat jemand Hasen geschlachtet und die Eingeweide dort aufgebahrt." Anders konnte er es sich nicht vorstellen.

Und so kam es dazu, dass er mir kurz darauf erzählte von dieser idyllischen Landschaft, wie sie war, als seine Frau noch lebte. Sie erstreckte sich weit gen Westen, wo heute der Handel und die Industrie Einzug genommen hatte. Es war Wald bis zum Horizont. Und die Leute kamen von überall her und holten sich den Sand zum Häuserbau. Die Konsistenz muss einmalig gewesen sein. Und als die natürlichen Ressourcen erschöpft schienen versuchte man sie durch "importierten" Sand aus Norddeutschland wieder herzustellen. Selbst kleinere, nicht "heimische" Nadelbaumarten pflanzte man an, die heute groß und ausgewachsen die Ausläufer der kleinen Region darstellen. Und gäbe es nicht einen Privatgrundbesitzer, wäre auch das letzte dicht bewaldete Stück schon verschwunden.

Seine Geschichten kann ich nur schlecht in Worte fassen, zu viel war die Information, und ich war abgelenkt von der Imagination, die er bei mir hervorrief als er gen Westen zeigte, dort, wo heute der Mensch seinen Stempelabdruck hinterlassen hat.
Auf einmal sah ich dort keine mächtigen Industriegebäude stehen, sondern den von ihm beschriebenen Wald, der bis an den Horizont reichte. Es war ein demütigen Blick in die Ferne, und die Bilder sind heute noch in meinen Kopf und werden es wohl immer bleiben, wenn ich von dort in diese Himmelsrichtung in die Ferne blicke.

Der Realist in mir wird es - so wehmütig es auch erscheinen mag - immer unter dem Aspekt betrachten, dass es doch gut ist, wie es heute ist. Zwar nicht besser, aber es könnte schlechter sein.

Und so werde ich auch in Zukunft dieser Landschaft Tribut zollen. Jeder neue Spaziergang dort wird wie ein Erster sein. Stolz werde ich dem klein Bisschen entgegentreten, mich hineinbegeben, in das, was mir und anderen hier noch überbleibt.

Auch wenn früher alles besser dort gewesen war, heute ist eben genau das bei mir im Herzen und im Geist verankert. Dem alten Mann gebührt der ganze Dank.
      
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